Muss ich auch mal sterben? – mit Kindern über Tod und Trauer reden

Um Trost zu spenden, darfst du für dein trauerndes Kind da sein – sichtbar und immer ansprechbar.
Du darfst ihm mit seiner Trauer mit Ernsthaftigkeit begegnen. Dies kann über körperliche Nähe geschehen, im großen Maße geschieht dieses jedoch über deine Sprache.
Daher bitte ich dich bewusst einmal auf deine Sprache im Alltag zu achten.
Bereits im Alltag und ohne Trauerfall kannst du dein Kind im Umgang mit „schweren“ bzw. „negativen“ Gefühlen wie Traurigkeit, Wut, Angst, Enttäuschung begleiten.
Wichtig bei einem konkreten Trauerfall ist die Wortwahl: Oft versuchen wir Erklärungen kindgerecht zu gestalten oder wir greifen auf Floskeln zurück. Dies kann jedoch zu Ängsten und Missverständnissen führen.

Bedeutung von Trauer

Wenn du an Trauer denkst, löst dieses bei dir wahrscheinlich angstvolle, sorgenhafte und beklemmende Gefühle aus: ist jedoch sehr wichtig, um Schicksalsschläge zu verarbeiten und zu begreifen.
Trauer ist nicht mit Traurigkeit gleichzusetzen.
Traurigkeit ist ein kurzer, geradliniger Prozess, der irgendwann aufhört und sichtbar ist. Du erkennst dies bei deinem Kind durch Weinen, eine bedrückte Gestik und Mimik sowie durch das direkte Äußern deines Kindes.
Im Alltag erlebt dein Kind häufig Situationen, die in ihm Traurigkeit auslösen, z.B. Streit unter Freunden, Umfallen seines Gebauten.
Durch deine tägliche Begleitung lernt dein Kind mit seiner erlebten Traurigkeit umzugehen.
Trauer ist ein langer Prozess, der nicht geradlinig ist, oft nicht direkt sichtbar ist und sich verschiedene Verhaltens- und Verarbeitungsweisen (Gefühle des Vermissens, Verlustes, Abschieds, der Wut) abwechseln.
Da Trauer durch einen schweren Verlust ausgelöst wird, welcher das Leben deines Kindes sowohl verändert als auch nachhaltig beeinflusst, hinterlässt dieses Spuren im Leben deines Kindes, die sich nie wieder ganz füllen lassen. Diese schmerzhaften Wunden heilen zu lassen dauert und benötigt Begleitung.
Durch die Trauer wird der Tod, der schmerzliche Verlust, begreifbarer und kommt sowohl aktiv als auch bewusst in die Realität deines Kindes.
Während des Trauerprozesses erinnert sich dein Kind sowohl bewusst an den Verstorbenen und alles, was er mit diesem in Verbindung bringt, z.B. Erlebnisse, Gerüche, an Eigenarten.
Dieses schafft ein inneres Bild, welches Vertrautheit schafft, auch wenn es schmerzhaft ist, da dieser Mensch verstorben ist. Es kann jedoch auch neue Trauergefühle aufkommen lassen.

Kinder trauern unterschiedlich

Trauer
  • Aggressiv / extrovertiert: dein Kind kann seine Trauer durch aggressives Verhalten, in Form von hauen, schubsen, laut werden, werfen von Gegenständen äußern.
    Welche Möglichkeiten der Verarbeitung von Wut du hast habe ich im folgenden Artikel beschrieben: Wut bei Kindern.
  • Ängstlich: vorhandene Sorgen können sich bei deinem Kind verstärken und es kann Ängste entwickeln, wenn es zu einem Trauerfall kommt.
  • Ambivalent: sowohl die Gefühle als auch die Verhaltensweisen deines Kindes können sich sprunghaft ändern
  • Körperlich: dein Kind reagiert mit Bauchschmerzen, Kopfschmerzen oder Einnässen
  • Unbeschwert: dein Kind reagiert unbekümmert oder gar teilnahmslos
  • Fragend: dein Kind reagiert häufig mit vielen Fragen rund um den Tod
  • Motorisch: dein Kind regiert stark mit Handeln, z.B. malen, singen, tanzen, spielen
  • den Tod verdrängend: dein Kind reagiert mit Ablehnung dem Tod gegenüber (nicht wahrhaben wollen)
  • Versuchend, Lücken zu schließen: dein Kind versucht eine Lücke zu schließen, z.B. durch vermehrtes Aufräumen, Übernahme der Aufgaben des Verstorbenen
  • Schuld bei sich suchend: dein Kind reagiert mit Vorwürfen und Schuldzuweisungen sich selbst gegenüber

Verständnis und Sichtweise auf den Tod

bei Kindern unter 3

Unter drei Jahren hat dein Kind noch keine Vorstellung vom Tod. Der Abschied für immer ist noch nicht greifbar, es ist eher wie eine Abwesenheit. Jedoch spürt dein Kind sowohl die Trauer der anderen als auch den Verlust; es vermisst den Verstorbenen schmerzhaft. Auch die veränderten Alltagssituationen können dein Kind verunsichern und ihm Angst machen. Wichtig ist für dein Kind mit ihm Zeit zu verbringen und Nähe zu geben.

bei Kindern über 3

In diesem Alter hat dein Kind auch noch keine Vorstellung von Endgültigkeit. Der Alltag deines Kindes besteht aus wiederkehrenden Ereignissen: Mama geht arbeiten – kommt wieder. Dieses kann dazu führen, dass dein Kind bei einem Trauerfall denkt, dass derjenige weg ist, jedoch wieder kommt. Auch denkt dein Kind in dem Alter noch, dass der Verstorbene im Grab weiterlebt und weiter fühlt. durch die steigende Neugier in dem Alter stellt dein Kind vermehrt Fragen rund um das Thema Tod. Kinderbücher zu dem Thema können dich als Elternteil dabei begleiten, z.B. Adieu, Herr Muffin. In einer aktuellen Not- und Trauersituation kannst du das Geschehnis erklären, z.B. das eine Krankheit zum Tode führen kann.

im Vorschulalter

Mit steigendem Alter wird der Tod realistischer und greifbarer, in der Endgültigkeit verstanden wird er noch nicht. Er wird mit starken Gefühlen, wie Wut, Angst und Schmerz verbunden. Dein Kind stellt sowohl tiefere Fragen rund um das Thema als auch zur eigenen Sterblichkeit.

Tod und Trauer im Alltag

in der Familie

Tod innerhalb der Familie

Die Familie ist der Ort der Sicherheit, der Geborgenheit, der Vertrautheit deines Kindes. So dass ein familiärer Todesfall das Leben deines Kindes aus seinem Gleichgewicht bringt: es herrschen Trauer, Unsicherheit und Veränderungen in eurem Alltag. Dein Kind fühlt sich verlassen, schwankt zwischen Vermissen, Lieben und Wut.
Beschreibe ehrlich, wie die Person war, mit all ihren Ecken und Kanten, von Erlebnissen, von Ritualen, die es zwischen dem Verstorbenen und deinem Kind gab.
Neben der primären Trauer entsteht auch der sogenannte Sekundärverlust: Hobbies, die gemeinsam erlebt wurden, könne nicht mehr in dieser Art wahrgenommen werden. Dieses sorgt für eine zusätzliche Belastung für dein Kind. Um diese Leere zu Füllen und das Fehlen auszugleichen, versucht dein Kind die Aufgaben des Verstorbenen zu übernehmen, z.B. im Haushalt zu helfen.

Kindergarten

Da kann der Kindergarten eine wichtige Institution sein: ein Ort der Normalität, der Sicherheit und der Vertrautheit durch einen festen Tagesablauf, Rituale und Angebote. Wichtig ist, mit den Erziehern darüber zu sprechen, wie deine Vorstellung darüber ist, wie sie mit dem Thema umgehen können: in Form eines Projektes z.B.

Suizid eines Elternteils

Familie

Für alle Beteiligten ist es schwer, wenn ein Mensch freiwillig den Tod wählt, er keinen Ausweg mehr sieht. Es gibt viele unbeantwortete Fragen: Hätte man die Verzweiflung nicht bemerken können? Spekulationen über die Gründe werden angestellt und gegebenenfalls werden dann Schuldzuweisungen gemacht.
Da du selbst als Erwachsene den Suizid nicht verstehen kannst, fällt es deinem Kind noch schwerer, es ist überfordert. Versuche dennoch die Fragen deines Kindes ehrlich zu beantworten. Wenn du keine Antwort auf die Frage hast, darfst du auch antworten, dass du es nicht weißt.
Für dein Kind ist es wichtig, dass du ihm vermittelst, dass es für den Tod nichts kann und diesen auch nicht verhindern konnte.
Vermeide bitte die Wörter „Freitod“ und „Selbstmord“: „frei“ und „selbst“ führen bei deinem Kind zu vielen Fragen und bei „Mord“ denkt dein Kind direkt an etwas Böses, an eine Straftat, die Polizei, das Gefängnis. Dieses kann dazu führen, dass dein Kind den Verstorbenen als Täter sieht, der sie verlassen wollte.
Der „erweiterte Suizid“ ist eine besondere Form, in der ein Elternteil nicht nur sich selbst, sondern auch die eigenen Kinder mit in den Tod nimmt, sie strenggenommen tötet. Dieses kann z.B. während der Wochenbettdepression oder als Verzweiflungstat in einem Sorgerechtsstreit vorkommen.
Bitte hole dir in diesem Fall professionelle Hilfe.

Tod eines Geschwisterkindes

Eine große Tragweite für dein Kind ist der Verlust des Geschwisterkindes. Denn dieses ist nicht nur das Geschwisterchen, sondern auch Spielgefährte, Verbündete, Freund, Streitgegner und vieles mehr. Durch diese sehr intensive Bindung ist der Verlust sehr schwer zu verkraften. Da du als Elternteil nicht die Ausrede des zu hohen Alters anwenden kannst, wird es dir besonders schwer fallen auf die Fragen deines Kindes zu antworten und dessen Gefühle zu begleiten: der Tod eines Kindes ist ungerecht, lässt sich nicht in Worte fassen. Dieses kann zu großer Angst führen.
Dazu kommen noch deine Hilflosigkeit und dein Schmerz. Dir fehlt es an Ruhe, Geduld und Kraft, um für dein Kind eine Stütze zu sein.
Ein weiterer Aspekt ist der Umgang mit deinem Kind, wenn das Geschwisterkind im Sterben liegend. Denn dadurch, dass du deine Kraft und deine Fürsorge auf das kranke Kind legst, kann sich dein anderes Kind verletzt und vernachlässigt fühlen, es empfindet sich als nicht so wichtig.
In solchen Fällen erwartest du unbewusst ein hohes Maß an Selbstständigkeit und Verständnis deinem Kind gegenüber dem kranken Geschwisterkind. Dies ist jedoch eine Überforderung für dein Kind.

Tod eines Tieres

Eltern denken oft, dass sie ihr Kind nicht mit dem Thema Tod konfrontieren können, da es sie belasten und ihm seine fröhliche, unbeschwerte Kindheit nehmen könnte. Doch gerade dein Kind hat noch einen Blick für die kleinen Dinge im Leben. Auch seht dein Kind den Tod nicht gerade selten. Denn welches Kind hat noch nie ein totes Insekt, eine Fliege totschlagen gesehen? Doch wie sieht das Ganze aus, wenn es das eigene Haustier ist?
Für dein Kind ist es eine prägende Erfahrung, sich um ein Haustier zu kümmern, dieses zu pflegen und zu füttern, die Verantwortung zu übernehmen. Dadurch entsteht eine innige Beziehung, so dass der Verlust tiefe Trauer auslösen kann.
Das Einschläfern ist ein besonderer Fall. Es ist wichtig, dass du offen und ehrlich mit deinem Kind darüber sprichst, was geschehen wird, um Missverständnisse zu vermeiden. Vor allem auch darüber, dass Einschläfern nichts mit Schlafen zu tun hat, sondern Sterbehilfe ist und warum es in diesem Fall in Ordnung ist, ein Tier zu töten. Bitte erwähne nicht den Grund des zu hohen Alters, denn welche Gedanken könnte dein Kind haben, wenn es an seine Großeltern und deren Alter denkt.

konkrete Angebote

Grabbeilagen

Wenn du mit deinem Kind zu einer Beerdigung gehst, das Haustier beerdigst kann dein Kind eine Grabbeilage anfertigen, z.B. einen persönlichen Abschiedsbrief, ein gemaltes Bild. Dieses bei der Beerdigung in der Hand halten zu können, kann deinem Kind Sicherheit und Halt vermitteln.

Grabschmuck

Ein paar Tage nach der Beerdigung kannst du gemeinsam mit deinem Kind Grabschmuck am Grab ablegen, z.B. in Form eines Windrades, bemalte Steine, eine Pflanzschale.

Erinnerungskiste

Gemeinsam mit deinem Kind kannst du einen Karton bemalen / bekleben und darin Dinge aufbewahren, die dein Kind an den Verstorbenen erinnert.

Erinnerungsbaum pflanzen

Falls ihr einen Garten habt, könnt ihr gemeinsam einen Baum als Erinnerung pflanzen. Dies kann ein Weg sein, um Abschied zu nehmen und Neues wachsen zu lassen.

Luftballons

Du kannst einen Luftballon mit Gas füllen und dein Kind eine Karte basteln lassen, die du an den Ballon binden und diesen aufsteigen lassen kannst.

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