Erzieher arbeiten am Limit

„Was stärkt dich gerade?“

Diese Frage ploppte in meinen Facebookstories auf.

Sie war die Überschrift einer Blogparade von Sarah. Da ich zu diesem Zeitpunkt jedoch an einem Artikel über die Trennung bei Eltern und die Frauen in der Ukraine schrieb, machte ich mir einen Screenshot, so dass ich es auf keinen Fall vergessen konnte.

Ein paar Tage später schrieb mich Sarah sogar persönlich an (Danke, dass du dieses getan hast), um auf ihre Blogparade aufmerksam zu machen. So hatte ich diese wieder in Erinnerung.

Erzieher arbeiten am Limit

Erzieher arbeiten, bis auf die 6 Wochen im März / April 2020 die alle Kindergärten obligatorisch geschlossen hatten, am Limit.

Viele sind nicht nur am Limit, sondern schon längst drüber.

Jede neue Coronaverordnung lasen wir durch und setzten sie so schnell es ging um – meistens sogar am selben Tag noch. Da diese nicht nur uns als Pädagogen betraf, sondern auch die Kinder und deren Eltern war dies gar nicht so leicht: offene Konzepte mussten zum geschlossenen Konzept über gehen, Geschwisterkinder, welche in getrennten Gruppen sind, konnten sich im Alltag plötzlich nicht mehr sehen und selbst auf dem Außengelände mussten wir die unterschiedlichen Gruppen trennen.

Wir waren plötzlich in einem Raum eingesperrt.

der stetig wachsende Personalmangel

Egal, in welche Einrichtung im Elementarbereich man auch immer schaut: es herrscht Personalmangel.

Kaum eine Einrichtung ist entsprechend des Personalschüssels beziehungsweise entsprechend der Kinderanzahl abgedeckt.

Dieses führt zu Überstunden und Mehrarbeit der anderen Erzieher, welches auf kurz oder lang zu Krankheitsfällen und somit zu einem noch größeren Personalmangel führt.

Von den vielen Teilzeitkräften mal ganz abgesehen, denn wenn man eigene Kinder hat und deren Betreuung gewährleisten muss, ist es kaum möglich, ohne die eigene Familie im Hintergrund, Vollzeit zu arbeiten.

Die Erzieherausbildung

Dieses ist auch absolut kein Wunder, denn wenn man mal einen Blick in die Ausbildung wirft, dann wird nur das letzte, das Anerkennungsjahr, vergütet. Die Jahre davor, in meinem Fall vier, da ich vor der 3 jährigen Erzieherausbildung noch die 2 jährige Sozialassistentenausbildung absolviert habe, bekommt man höchstens BAföG. Muss man dann noch die Miete selbst zahlen ist die Ausbildung so gut wie gar nicht zu meistern. Oder aber mit Schulden, die man nach der Ausbildung ab dem ersten Gehalt, erstmal abzahlen kann.

Während der Ausbildung hat man zwar die regulären Schulferien des Bundeslandes, durch die Anzahl an Facharbeiten und die verschiedenen Praktika hat man jedoch kaum die zeitlichen Kapazitäten, um noch nebenbei zu arbeiten.

Denn ein wenig Privatleben möchte man ja auch noch haben.

im Berufsleben

Von der Ausbildung geht es übergangslos direkt ins Berufsleben: eine Gruppe mit 25 Kindern und wenn man Glück hat, hat man noch eine Kollegin mit in der Gruppe. Aufgrund des hohen Personalmangels kann es jedoch auch sein, dass man alleine in der Gruppe arbeitet.

Betreuung, Dokumentation, Bildung – wie soll das gelingen?

Bei 25 Kindern kann man nicht jedem Kind gerecht werden.

Ist dann ein Kind leise, kann man sich am Ende des Tages kaum daran erinnern, ob das Kind da war oder nicht. 

Für kreative Angebote, individuelle Förderungen bleibt keine Zeit mehr.

Vom Ausfüllen der Beobachtungsbögen und führen von Eltern- beziehungsweise Entwicklungsgesprächen ganz zu schweigen.

ständig neue Corona – Verordnungen

Alle 2 – 4 Wochen wurden in den letzten beiden Jahre die Corona – Verordnungen verändert. Selbstverständlich auch der Teil für die Kindergärten.

So dass wir uns ständig mit neuen Vorgaben auseinandersetzen und diese umsetzen mussten.

Zusätzlich zum Personalmangel und den vorherrschenden Rahmenbedingungen:

  • keine Maskenpflicht, dann doch, dann nur für Ungeimpfte, aktuell keine mehr
  • keine Quarantäne, dann doch, dann nur für Ungeimpfte
  • Eltern durften die Einrichtung betreten, dann doch nicht mehr, aktuell wieder mit Maske
  • Kinder haben keine Testpflicht, bei positiven Fall in der eigenen Gruppe können sie am nächsten Tag nur mit negativen Testnachweis die Einrichtung betreten
  • Gruppen dürfen sich mischen, jede Gruppe muss für sich bleiben, Gruppen dürfen sich wieder mischen

Denk an deine Gesundheit

Ja, es ist deine Entscheidung, ob du dich impfen lässt oder nicht. Zumindest solange es keine per Gesetz beschlossene Impfpflicht gibt. Es geht auch, bis auf deine Kollegen und das Gesundheitsamt keinen was an, ob du Corona hattest oder nicht.

Genauso wie es dir zu steht nach deinem Dienstplan zu arbeiten und nicht mal eben früher anzufangen oder länger da zu bleiben.

Doch: Hand aufs Herz: wie oft kommst du früher? wie oft bleibst du länger?

An dieser Stelle vertraue ich auf deine Ehrlichkeit und darauf, dass du dir deine zusätzliche Zeit aufschreibst oder ihr eine Stechuhr habt!

Wir sprechen hier nicht von Mal! Oder in einem Krankheitsfall deiner direkten Kollegin. Sondern von einer Regelmäßigkeit.

Du darfst und solltest Nein sagen!

Falls du das noch nicht kannst, hab ich einen Artikel über die 5 Möglichkeiten „Nein“ zu sagen, ohne Nein-zu-sagen geschrieben.

Nutze deine Freizeit bewusst

Hast du noch Freizeit? Freie Zeit! Zeit, die du nur für dich selbst und mit dir verbringst?

Selbstverständlich kannst du die Zeit auch mit deinen Kindern verbringen. Doch geht es gerade in erster Linie nur um dich!

Was machst du gerne?

Lerne für dich selbst zu sorgen

Selbstfürsorge ist essentiell, überlebenswichtig.

Denn, wenn du dich nicht zu erst um dich selbst kümmerst, kannst du dich weder um deine Kinder noch um andere Menschen kümmern.

Nimm dir ganz bewusst Zeit nur für dich, geh zum Beispiel in ein Cafe und trinke ganz bewusst deinen Cafe. Heiß. Und langsam.

Schau dir ganz bewusst deine Tasse an:

  • Wie sieht sie aus? 
  • Welche Farbe hat sie?
  • Was hat sie für eine Form?
  • Ist sie groß oder klein?
  • Welche Geräusche kannst du aus der Umgebung wahrnehmen?
  • Wie sieht der Stuhl aus? Der Tisch?
  • Sitzt du bequem?

Date mit dir selbst

Blockiere dir einen Termin bewusst in deinem Kalender, an dem du dich mit dir selbst verabredest.

  • Vielleicht fährst du gerne Fahrrad / Inliner?
  • Vielleicht gehst du an einen See?
  • Welche Serie schaust du gerade?
  • Welches Buch wolltest du gerne mal lesen?
  • Oder doch noch das Rezept im Back- / Kochbuch ausprobieren?
  • Du wolltest eine Städtetrip machen?

Auf was wartest du?

 

Du alleine und deine Gesundheit sind wichtig!

 

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