Warum streikt ihr Erzieher denn schon wieder?

Warum streikt ihr denn schon wieder?

Die 18. Blognacht von Anna hatte das Thema „meine liebste Frage…“.

Um ehrlich zu sein durfte ich erstmal nachdenken über welche Frage ich blogge, doch nach den letzten Wochen kam mir dann plötzlich das Thema Streik und die damit verbundenen Herausforderungen für Eltern, Fachkräfte und nicht auch zuletzt für die Kinder in den Sinn.

Der Streik

Ich kann nach den 2 Jahren Corona die Eltern total verstehen, die sich nicht noch mehr Urlaub nehmen können und auch langsam kein Verständnis mehr haben, wenn die Kita mal wieder geschlossen hat.

Doch der Streik und die damit verbundene Schließung ist die einzige Möglichkeit über die Herausforderungen in unserem Job im Kindergarten aufmerksam zu machen.

Denn nett gemeinte Briefe an Landtag, Bundestag, diverse Arbeitgeber sind zwar nett, jedoch bewirken sie mal gar nichts. Außer, dass diejenigen, die diesen Brief schreiben, sich die Zeit nehmen, die sie für andere Dinge investieren könnten.

Streiks werden eher von der Presse wahrgenommen und gelangen so samt den Forderungen an die Öffentlichkeit.

Denn sind wir doch mal ehrlich: welche Eltern kennen denn die Rahmenbedingungen?

Die Rahmenbedingungen

Erzieher im Kindergarten sind von morgens 7 Uhr bis nachmittags 16 / 17 Uhr (je nach Öffnungszeiten des Kindergartens) mit dem Kopf und dem Herzen bei deinem Kind.

Sie begleiten dein Kind im Alltag, beim Essen, beim Trösten, bei sozialen Kontakten mit anderen Kindern, im Tagesablauf, beim Lernen, beim Experimentieren.

Doch nicht nur dein Kind.

Auch die anderen.

In einem geschlossenen Konzept 24 andere Kinder.

In einem Kindergarten mit offenem Konzept über 80 Kinder.

Und das mit dem Personalnotstand.

Doch warum haben wir so einen Personalnotstand?

Werfen wir mal einen Blick auf die Ausbildung in Deutschland.

Es gibt die Möglichkeit der Ausbildung zur Sozialassistentin: 2 Jahre, das 1. Jahr rein schulisch, das 2. Jahr praktisch als Anerkennungsjahr. 2 Jahre keine finanzielle Vergütung.

Du kannst statt der Ausbildung auch ein freiwilliges soziales Jahr absolvieren.

Anschließend absolvierst du die 3-jährige Erzieherausbildung: 2 Jahre rein schulisch und das 3. Jahr praktisch als Anerkennungsjahr. 2 Jahr ohne finanzielle Vergütung. Das dritte Jahr bekommst du zwar bezahlt. Jedoch ist dieses nur eine geringe Aufwandsentschädigung.

Die Materialien, welche du für die Ausbildung benötigst, sind Bücher, leere Blöcke, Stifte, Ordner, einen Computer, einen WLAN Zugang, Zeit zum Lernen, Geld für die Fahrkarten bzw. das Benzin, um zur Schule zu kommen.

Wer kann sich bei diesen Voraussetzungen noch die Ausbildung leisten?

Ständig wechselnde Betreuungspersonen

Wenn Kinder im Krippen- und Kindergartenalter eines brauchen, dann sind es zuverlässige, gleichbleibende, und nicht ständig wechselnde, Personen.

Einerseits haben die unterschiedlichen Konzepte auch unterschiedliche Rahmenbedingungen, zum anderen verändern sich auch die Lebensumstände der Erzieher. Um nur zwei Gründe zu nennen, warum es in dem Beruf eine hohe Fluktuation gibt,

Denn als Erzieher zu arbeiten, heißt in erster Linie Beziehungsaufbau:

Beziehung zu den Kindern

Doch nicht nur zu den Kindern.

Auch zu den Eltern ist es wichtig eine Beziehung aufzubauen.

Denn, wenn Eltern den Erziehern nicht vertrauen können, dann kann eine Eingewöhnung nicht gelingen. Und somit kann dein Kind auch nicht im Kindergarten ankommen.

Ohne Beziehung redet dein Kind nicht mit den Erziehern, lässt sich nicht trösten, spielt nicht, sucht keinen Kontakt zu anderen Kindern und schläft auch nicht. Es empfindet Stress.

Wenn du kein gutes Gefühl hast merkt dieses zum einen dein Kind und übernimmt diese Unsicherheit und zum anderen kannst du dich nicht an deinem Arbeitsplatz konzentrieren, weil du die ganze Zeit an dein Kind denkst und dir Gedanken darüber machst. Auf Dauer kann dieses deinen Arbeitsplatz gefährden.

Die Gründe des Streiks

Um dein Kind adäquat in seiner Entwicklung zu unterstützen, bedarf es Erzieher, die sich fortbilden, die Vor- und Nachbereitungszeiten haben und deren Job eine bessere Anerkennung und Wertschätzung in der Gesellschaft erlangt.

Doch genau dieses ist nicht oder nicht ausreichend vorhanden.

Und genau deshalb haben die Erzieher gestreikt.

Denn mit einem Gehalt von ca. 2000 € netto kann sich kaum ein Erzieher eine qualitativ hochwertige Fortbildung leisten. Vor allem nicht bei den steigenden Lebenserhaltungskosten. Aufgrund der sich ändernden Rahmenbedingungen ist dieses jedoch unumgänglich.

Angebote mit den Kindern, Eltern – und Entwicklungsgespräche, Portfolioeinträge, Integrationsanträge wollen vor- und auch nachbereitet werden. Doch wann, wenn es keine festgelegte Vorbereitungszeit gibt?

Die schlechte Bezahlung

39 h die Woche 2000€ netto im Monat.

Und das für die Begleitung von Kindern.

Erzieher legen das Fundament in der Entwicklung eines Menschen.

Haben nicht nur eine Aufsichts- und Fürsorgepflicht, sondern auch eine Bildungspflicht.

Ein Job mit einer sehr großen Verantwortung.

Und genau für diese Aufwertung streiken wir!

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