Wie lernen Kinder?

Gerade in der Kindheit spielt die konkrete Erfahrung eine wichtige Rolle:
Wie fühlt sich etwas an, welchen Geschmack hat es?
Über die Wahrnehmung unserer Sinne bauen sich elementare Erfahrungen
auf, die das Gehirn braucht, um komplexere Zusammenhänge zu verstehen. Kinder lernen das, was sie häufig tun. Darum wiederholen sie viele Verhaltensweisen immer wieder. Manchmal so intensiv, dass es uns als Erwachsene nervt, z. B. das wiederholte Vorlesen von ein und demselben Buch.

Kinder lernen vor allem durch Nachahmen, Ausprobieren, die aktive Auseinandersetzung mit Fragen und Herausforderungen und durch Be-Greifen mit allen Sinnen.
Lernen geschieht individuell: jedes Kind nach seinem Tempo, Interesse und seinen Fähigkeiten.

Gehirn

1. Lernen im Gehirn

Wenn wir wahrnehmen, denken und lernen, verarbeitet unser Gehirn Impulse.
Nervenzellen kommunizieren miteinander an ihren Schnittstellen, den Synapsen. Aufgrund der Verarbeitung verändern sich diese: Verbindungen werden verstärkt, wenn sie viel genutzt werden oder geschwächt bzw. verschwinden ganz bei Nicht-Nutzung.

Die Gehirnentwicklung ist dabei abhängig von dem, was wir in unserer Umwelt erleben und welche Erfahrungen wir machen.

Für Kinder trifft dies in besonderem Maß zu, da das kindliche Gehirn noch sehr viele nicht ausgeprägte, aber angelegte Verbindungen besitzt, welche sich erst noch entwickeln müssen. Es weist eine besonders hohe Neuroplastizität auf, so dass in den ersten Jahren des Lebens sehr viel schneller neue Informationen aufgenommen und abgespeichert werden können, weil hier noch eine sehr große Flexibilität vorhanden ist. Das kindliche Gehirn bildet dabei auch völlig neue Verbindungen, während wir als Erwachsene darauf zurückgreifen, was sich bereits an Verbindungen gebildet hat, auch wenn wir etwas ganz Neues lernen.

In den Verbindungen, die sich in der Kindheit ausbilden, spiegelt sich vor allem dass wieder, was das Kind häufig erlebt.

Drei Momente für erfolgreiches Lernen

1. Erleben von Autonomie

„Ich darf etwas tun“ ist eine Erfahrung, die Kinder leider viel zu selten machen.
Aus Angst, dass sich Kinder verletzen, aus Ungeduld, weil Kinder für Tätigkeiten länger brauchen oder aus Unverständnis, weil nicht erkannt wird, warum ein Thema gerade für ein Kind von Bedeutung ist, werden Kinder schon frühzeitig reglementiert und ihnen werden Tätigkeiten abgenommen.
Das Erleben der eigenen Aktivität und deren Wirkung ist aber zentral für die eigene Lernmotivation.

Genauso wie die Erfahrung von Gestaltbarkeit: Dinge lassen sich, durch die Aktivität mit ihnen, verändern., z. B. Leeren, Füllen, Stapeln, Umwerfen und Auseinandernehmen von Gegenständen. Das Spiel wird oft wiederholt, vor allem wenn es gerade neu entdeckt wurde.
Hierbei erlebt das Kind erlebt, dass es selbst wirksam sein und Veränderungen hervorrufen kann.
Diese Erfahrung ist wichtig für alle weiteren Lernschritte.

2. Erleben von Kompetenz

„Ich kann etwas tun“ ist ebenfalls eine Erfahrung, die zentral ist für erfolgreiches Lernen.
Trotzdem wird Kindern oft signalisiert: „Du bist zu klein, dass kannst du noch nicht“.

Wir haben das Bedürfnis, die Dinge um uns herum zu verstehen und erwerben im Laufe unserer Entwicklung Strategien, wie wir uns Erklärungen und Informationen verschaffen können, wenn wir diese brauchen. Um dieses zu leisten, muss das Kind aber erst einmal die Erfahrung gemacht haben, dass Dinge verstehbar sind und man sie verstehen kann.
Prinzipien von Ursache und Wirkung können so erlebt werden.

Wichtig für das Erleben von Kompetenz ist auch das Meistern von Herausforderungen: Kinder erleben sich als kompetent, wenn sie eine Anforderung bewältigen, nicht wenn sie etwas tun, von dem sie bereits wissen, dass sie es können. Eine Herausforderung ist die optimale Balance zwischen den vorhandenen Fähigkeiten und den gestellten Anforderungen. Diese sollten im Idealfall ein wenig höher sein als die bereits vorhandenen Fähigkeiten; wenn sie zu hoch sind, entsteht das Gefühl der Überforderung. Liegen die Anforderungen dagegen unter den Fähigkeiten, entsteht Langeweile.

Im freien Spiel suchen sich Kinder meist ganz automatisch Aufgaben, die sie als herausfordernd empfinden.

3. Erleben von Angenommensein

„Ich werde wahrgenommen, ich fühle mich angenommen“ als Grunderfahrung des Kindes bildet die Basis für Explorationsverhalten.
Nur wenn ich mich an einem Ort, bei einer Person sicher und geborgen fühle, kann ich mich neuen Dingen, Orten oder Personen zuwenden und auf sie zugehen. Im Fall eines Misserfolgs habe ich dann einen Ort, eine Person, zu der ich zurückkehren kann.
Sich wohlfühlen ist ein Grundbedürfnis des Kindes, welches gesichert sein muss, bevor Lernen überhaupt möglich ist. Gerade für kleine Kinder ist das sehr wichtig, weil für sie zusätzlich zu den eigenen Spielaktivitäten auch das Beobachterverhalten eine wichtige Form der Anregung ist.

Ist Lernen und Spielen gleichzusetzen?

Über das Spiel kann einiges gelernt werden.
Doch Spielen und Lernen unterscheiden sich in ihrer Motivation: das Spiel folgt einem Selbstzweck und ist stärker prozessorientiert. Lernen ist auf ein späteres Wissen bzw. Können ausgerichtet. Das Ergebnis der Handlung ist zweitrangig – das Kind räumt den Tisch ab auf Grund der Freude am Abräumen, nicht wegen dem abgeräumten Tisch.

Trotzdem verfolgt das Kind im Spiel auch implizite Ziele: es sammelt Informationen aus seiner Umwelt, verarbeitet Erlebtes und übt bestimmte Fähigkeiten und Fertigkeiten.

Für Eltern ist es wichtig, zu erkennen, welche wichtigen Erfahrungen dein Kind auch mit einfachen Dingen im Spiel machen kann. Spiel darf nicht als einfache Spielerei abgetan werden, die dich nicht interessiert oder dir im schlimmsten Fall auf die Nerven geht.

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