Corona, Gleichberechtigung und Feminismus – kann das gut gehen?!

In einem uns noch nie gekannten Ausmaß wirkt sich die Covid19-Pandemie sowohl auf die Gesellschaft als auch auf die Wirtschaft aus, so dass diese in weiten Teilen “herunter gefahren” wurde: Kindergärten waren geschlossen und durften nur mit speziellen vorher ausgearbeiteten Hygieneplänen wieder öffnen, in bestimmten Branchen waren die Geschäfte teilweise komplett geschlossen und sind dieses bis heute noch.
Menschen sollen nach Möglichkeit zu Hause bleiben oder aber einen 1,5m großen Abstand zu anderen Menschen halten, Social Distance.

Jenni von Sonnenkinderleben hat zu einer Blogparade zum Thema #CoronaFeminismus und #CoronaGleichberechtigung aufgerufen, so dass Maria im ersten Teil des Artikels der Frage nachgeht, wie sich all dies auf die neuen Lebensformen, mit denen Familien konfrontiert sind, auswirkt
und Vanessa im zweiten Teil auf die sozioökonomischen Aspekte inkl. der Frage, ob die aktuelle Krise nicht auch eine Chance sein kann, schaut.

Corona, Gleichberechtigung und Feminismus

Das Gesetz über die Gleichberechtigung von Mann und Frau auf dem Gebiet des bürgerlichen Rechts (Gleichberechtigungsgesetz) trat am 1. Juli 1958 in Kraft. Dieses beinhaltet die Gleichberechtigung von Mann und Frau innerhalb der Ehe und in Bezug auf die elterliche Gewalt.

Doch die aktuelle Diskussion um das Familienleben in der Coronakrise zeigt, dass es um viel mehr geht als Feminismus, Gleichberechtigung und die Rollenverteilung.

Bei der Frage, wie Familien die neuen Lebensrhythmen, Umstände und nicht zu vergessen die aktuellen Zwänge, die wir mit der Pandemie aufgezwungen bekommen haben, bewältigen können, stehen nun vor allem die Mütter wieder im Zentrum der Diskussion.
Da gehören sie natürlich hin.
Nur nicht allein!
Sondern GEMEINSAM mit den Vätern, den Männern.

Das Familienleben während der Pandemie

Die Sorge, dass die Coronakrise durch den Wegfall der regulären Betreuung der Kinder in Kindergärten, zu einem Rückfall in alte Rollenmodelle führen wird, ist allgegenwärtig:
der Mann verdient das Geld,
die Frau bleibt zuhause und kümmert sich um die Kinder.

Wer sich jetzt noch dazu die skandalösen Unterschiede in der Bezahlung von weiblicher und männlicher Erwerbsarbeit anschaut, dem wird schnell klar, wie in Familien entschieden wird, um weiter Geld zu verdienen und wer sich auf die Kindererziehung und den Haushalt konzentriert.

Doch die neue Familienlage ist kein Problem allein nur der Mütter.
Sie betrifft alle: die Kinder, die mit den Ängsten dieser Tage konfrontiert sind und ohne Kita dastehen,
und die Väter, die ebenfalls mit ihrer Rolle in der neuen Situation konfrontiert sind.

Das gilt vor allem für jene Väter, die ihre Rollen und Aufgaben bewusst reflektieren und anders leben wollen als die vergangene Generation: die eigenen Väter, die durch Abwesenheit und emotionale Distanz ganz und gar nicht glänzten.

Einer Befragung des Bundesfamilienministeriums zufolge reduzierten 22 Prozent der Mütter und 18 Prozent der Väter ihre Arbeitszeit aufgrund ihrer Kinder.
Noch nie haben sich so viele Väter um ihre Kinder gekümmert wie in den Corona-Wochen der Kindergartenschließungen im März / April 2020 in Deutschland. Vor allem Männer mit mittlerer und geringerer Bildung haben mehr Zeit mit ihren Kindern verbracht. Die eingeführte Kurzarbeit führte bei vielen Vätern zu mehr Zeit für ihre Familie.

Auch für Männer gab es einen befreienden Rollenwandel.

Ein Rückfall in alte Familienmodelle bedroht da eben nicht nur die Rolle der Frau, sondern auch die mühsam erarbeiteten Fortschritte für die Rolle der Väter in ihrer Familie: der abwesende Vater, der sich entweder ins Büro, in die Kneipe oder den „Hobbykeller“ verzieht und dann am Sonntag den Braten anschneiden darf, ist zumindest heute nicht mehr der Regelfall.

Viele Väter empfinden diese Entwicklung ebenso als Befreiung wie Mütter.

Sich als Mann nicht allein über irgendwelche beruflichen, körperlichen oder sonstigen Leistungen zu definieren, sondern über eine lebendige und enge Beziehung zu den Kindern, und diese Rolle ganz selbstverständlich und öffentlich wahrzunehmen –
ist das männliche Gegenstück zum veränderten Rollenbild von Müttern.

Eine Entwicklung, die auf Widerstände trifft.
Es gibt Menschen, die die Nase rümpfen oder es misstrauisch beäugen, wenn Männer sich in der Öffentlichkeit ähnlich um ihre Kinder kümmern wie Mütter. Genauso gibt es Frauen, bei denen fürsorgliche Väter schlagartig an Attraktivität und Ansehen verlieren, weil das ihren alten Bildern von Männlichkeit nicht entspricht.

Doch im Ökosystem „moderne Familie“ ist der Rollenwandel von Müttern und der von Vätern eng miteinander verbunden.
Bleibt bei den Männern jedoch alles beim Alten, führt das für die Mütter in die Erschöpfung: 100 Prozent Mutter, 100 Prozent Partnerin und 100 Prozent Arbeitskraft.

Dasselbe gilt aber auch für Männer, die ihre Rolle in der Familie ernst nehmen: Werden sie nur als lückenfüllende Arbeitstiere behandelt, die von Müttern beanspruchte Erwerbszeit pflichtschuldig ausfüllen sollen, droht auch ihnen eben jene Überforderung bis hin zur Erschöpfung.

Lasst uns über Väter reden:

Was muss anders werden in der Erwerbswelt, dass Väter ihre Rolle für die Familie gut wahrnehmen können?
Welche gesellschaftliche Anerkennung brauchen Väter, die sich aus alten Rollenbildern gelöst haben?
Was brauchen Männer, die dabei sind, etwas zu verändern?
Wie kann sich das Lohngefüge schnell zugunsten echter Gleichheit von Mann und Frau ändern, damit Familien freier als heute über ihre Rollenverteilung entscheiden können?

Was ist die Botschaft der Gesellschaft an Männer, die gegenüber Kindern und Partnerinnen noch immer abwesend sind?
Was denkt die Gesellschaft über Männer, die nun glauben, die Krise für eine Rolle rückwärts im Geschlechterverhältnis zu nutzen und ihre Partnerinnen in alte Rollenmodelle drängen zu können?
Da sind sowohl die Politik, die Wirtschaft und die Medien gleichermaßen gefragt wie auch die Gesellschaft als solche, in der wir leben.

Die sozioökonomische Perspektive

Das Phänomen der Abwesenheit des männlichen Parts innerhalb des Familienverbands lässt sich im Umkehrschluss auch auf bestimmte sozialökonomische Trends am deutschen Arbeitsmarkt übertragen. Auch hier spielt das Thema Feminismus und Patriarchat trotz der ganzen me2-Bewegung und sämtlicher Tendenzen, die einst der Emanzipation entsprangen, und noch bis heute anhalten, eine erhebliche Rolle.

Natürlich ist nichts in Stein gemeißelt, und sozialökonomische Phänomene im beruflichen Kontext wie im Privaten unterliegen letzten Endes den Verhaltensweisen der Individuen, welche sie verursachen und prägen. Die Frage, die sich mir immer wieder stellt, ist, ab wann wird ein sozialökonomischer Trend zu einem Paradigma, und bekommt damit auch radikalere Züge, welche sowie die den Feminismus Befürwortenden ihn aktiv leben und revolutionieren wollen?

Um zurück zu meiner These eines potentiellen Zusammenhangs zwischen Patriarch Arch, Feminismus, und den aktuellen – gender neutralen – Bedingungen am deutschen Arbeitsmarkt zu kommen, anbei einige möglicherweise wagemutige Hypothesen bzw. Statements, welche meines Erachtens jedoch einen hohen Wahrheitsgehalt haben:

Hohe Markteintrittsbarrieren in den Arbeitsmarkt durch:

Zu hohe Anforderungen an potenzielle Bewerber, was Qualifikationen und Berufserfahrung angeht;
das Verhältnis zwischen Stellenanforderung und der angestrebten Zielgruppe ist völlig unverhältnismäßig. D.h. insbesondere Hochschulabsolventen, und damit die High Potentials von morgen, haben in bestimmten Fachbereichen keinerlei Chance sich trotz Ausübung von Praktika während der Studienzeit auf entsprechende Vakanzen ihren Qualifikationen entsprechend zu bewerben.

Der Nasenfaktor sowie das Geschlecht sind nicht zu verachten bei der Personalauswahl- AGG-Konformität im Sinne der Emanzipation sieht meiner ganz persönlichen Meinung nach anders aus.

Läuft da nicht etwas gewaltig schief innerhalb des deutschen Bildungssystems, wenn teilweise diejenigen Individuen, welche – sei es aus eigener Tasche oder vom Elternhaus gesponsert – mit überdurchschnittlichem Engagement, Qualifikationen in Form von akademischen Abschlüssen, und erster Berufserfahrung, und damit meine ich ebenfalls jene, welche durch Praktika erworben wurde, bei Eintritt in den deutschen Arbeitsmarkt kaum eine Chance haben gegen ältere, und damit selbstverständlich deutlich berufserfahrene Generationen?

Ist es nicht möglicherweise die Aufgabe der jeweiligen Stellen und Institutionen, aber auch der freien Wirtschaft, eben diese Zielgruppe zu fördern? Das bedeutet natürlich nicht, dass sozial benachteiligte Zielgruppen anders behandelt werden, aber Fair Play sieht meines Erachtens nach definitiv anders aus.

Und zum Thema Corona-Pandemie:

ja, sie ist allgegenwärtig und gefühlt omniszienz. Und selbstredend beeinflusst sie jedes Individuum, völlig unabhängig vom Geschlecht oder anderen persönlichen Attributen sowohl beruflich, finanziell, aber natürlich auch privat. Neben den Herausforderungen der Kinderbetreuung und der geringen Dispersionsmöglichkeiten aufgrund geltender Corona-Regelungen sowie Schutzmaßnahmen, könnte die aktuelle Krise nicht auch eine Chance sein?!

Jedes Personalmagazin, sei es online oder in Printversion, befasst sich mit dem Thema seitdem die Situation zur Krise und die Krise zur Pandemie wurde. Positiv gesehen, lernen die Unternehmen, Mitarbeiter, Führungskräfte, Manager, aber auch die HR-Abteilungen innerhalb unserer freien Marktwirtschaft doch aktuell eine ganze Menge, oder? In besagten Fachmagazinen sind Artikel zu Themen, wie „Führen auf Distanz“ und „Lernen und persönliche Weiterbildung im Home Office“ zu finden. Anscheinend lernt unsere Gesellschaft gerade eine ganze Menge über sich selbst und potenzielle Chancen und Risiken der aktuellen Pandemie.

Ich würde in diesem Kontext sagen: man lernt nie aus!

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