Dein Kind ist im Kindergarten und dieser hat 3 Wochen im Sommer eine Schließzeit? Du weißt nicht, wie du damit umgehen sollst?
Ich auch nicht! Und da mich dieses Thema jedes Jahr aufs Neue auf die Palme bringt, ist das eine gute Idee, mit diesem Thema bei einer Blogparade teilzunehmen, um die Stimme für unsere Kinder zu erheben.
Der Kindergarten
Der Kindergarten ist eine Bildungseinrichtung!
In der Regel werden dort Kinder ab 2 oder 3 Jahren bis zum Schuleintritt betreut.
Sie lernen
- was ein soziales Miteinander ist
- Regeln kennen
- Konflikte zu lösen
- sich partizipativ einzubringen
- Freundschaften einzugehen
- Abschiedssituationen kennen
- Übergänge im Alltag kennen
- ihre Meinung zu äußern
- den Mensch als Individuum schätzen
- Werte kennen
- …
- in jeder Situation / jedem Moment
Der Kindergartenalltag
Vom Ankommen, über das Freispiel, Essenssituationen, Ruhezeiten bis hin zu Ausflügen, Projekten, Personalmangel, Eingewöhnungen, Abschieden … all das bestimmt den Alltag unserer Kinder im Kindergarten.
Zwischen all diesen verschiedenen Situationen finden Übergänge statt.
So, dass es zum Beispiel sein kann, dass das Puzzle nicht fertig gepuzzelt werden kann. Dieses liest sich im ersten Moment erstmal sehr leicht. Dann wird es halt wieder aufgeräumt und vielleicht morgen noch mal angefangen. Für das Kind jedoch war es etwas, dass es sich gewählt hat zu tun. Und wird jetzt in seinem Tun unterbrochen. Das kann frustrierend sein. Das kann zu Stress führen.
Mit 24 weiteren Kindern in einem Morgenkreis zu sitzen, sich selbstwirksam zu erleben kann ein verbindendes Gefühl und erfülltes Bedürfnis mit sich bringen. Es kann jedoch auch Stress bedeuten, zu warten, nicht spielen zu können, mit so vielen Menschen dazusitzen.
Stell dir für einen Moment vor, du sitzt mit 24 anderen Menschen vor Ort in einer Teamsitzung – wie fühlst du dich?
Bist du auch den Tag über mit 24 anderen Menschen in einem Raum, wenn du den Raum wechselst, dann nur mit ihnen gemeinsam? Wir Erwachsene haben immerhin 30 min Pause an der Arbeit.
Wann haben die Kinder eine Pause?
Theoretisch nach dem Kindergarten.
Doch da warten Hobbys, Vereine und / oder die Geschwister.
Also, wieder Übergänge.
Wieder keine Pause.
Am Wochenende?
Da kommt eventuell Samstag der Wocheneinkauf, der Wohnungsputz, der Besuch der Familie, …
Wieder keine Pause.
Keine bewusste Zeit der Entspannung!
Keine Zeit nur mit den Eltern ohne Ablenkung und Zeitdruck!
Und zack,
ist wieder Montag!
3 Wochen Schließzeit in der Kita
Für die Fachkräfte
Für die Pädagogen im Kindergarten heißt es vor den Sommerferien, die Eltern daran zu erinnern, alles aus der Garderobe ihres Kindes mit nach Hause zu nehmen, es auf Vollständigkeit und die aktuelle Größe zu überprüfen bzw. zu ergänzen. Dies dient einerseits der einfacheren kompletten Grundreinigung (hängt nichts an der Garderobe, ist diese leichter zu säubern) und zum anderen auch, zur Überprüfung der Kleidung.
Zur Grundreinigung, welche in den Sommerferien stattfindet, gehört auch, dass so wenig wie nur möglich auf dem Boden stehen darf. Sprich am Freitagnachmittag werden in allen Räumen die Möbel, Tische, Stühle aufeinander gestapelt. Und diese am ersten Tag am Morgen, wenn die ersten Kinder aus dem Urlaub kommen, wieder ordentlich hingestellt. Das kann eine ziemliche Herausforderung sein, denn nach 3 Wochen Kitafrei kann die Trennung von den Eltern schwerfallen und tränenreich sein.
Zum anderen sind die 3 Wochen Schließzeit, neben den wenigen Tagen zwischen Weihnachten und Neujahr, die einzige Zeit, in der das komplette Team zur selben Zeit frei hat.
Vielleicht fährt man mit dem Partner weg, mit den Kindern, alleine oder man kann sich auch mit den Arbeitskollegen treffen. Was sonst an einem freien Tag nicht möglich ist.
Auch ist es die Zeit, in der es an der Arbeit nicht weitergeht und man in einen laufenden Betrieb zurückkommt und erst mal eine Übergabe von den Kollegen benötigt. Den selbst an freien Tagen zwischendurch kann man selten komplett abschalten. Vor allem, weil man weiß, dass es Personalmangel gibt.
Es ist eine bewusste Zeit, um durchzuatmen.
Das Kindergartenjahr hinter sich zu lassen, abzuschließen.
Und mit neuer Kraft und den anstehenden Eingewöhnungen wieder zu starten.
Für die Eltern
Puh, 3 Wochen. Das ist ganz schön lang.
Das sind immerhin 15 Tage Urlaub von deinen 30 Tagen im Angestelltenverhältnis.
15 Tage, die du dir nicht nehmen kannst, wenn es dir gerade passt. Wenn keine Ferien sind.
Sie sind vorgegeben.
Am Wochenende sind es 48 h – die sind machbar. Irgendwie. Aber 23 Tage?
Was mache ich in der Zeit mit meinem Kind?
Wann hab ich Zeit für mich?
Auch ich brauche doch mal Urlaub von der Arbeit? Und ohne mein Kind?
Wie soll das gehen, ohne Urlaub?
Gibt es nicht irgendeine Notbetreuung? Eine andere Kita, vom selben Träger, die mein Kind in der Zeit betreuen könnte?
Die Notbetreuung in einer anderen Kita
Kannst du dich noch an die erste Zeit deines Kindes im Kindergarten erinnern?
Ja, genau, ich meine die Eingewöhnung.
Am Anfang warst du dabei. Dann gab es die Trennung. Dann wurde die Zeit, die dein Kind in der Kita betreut wurde, verlängert.
Sowohl du als auch dein Kind hatten die Möglichkeiten langsam (Schritt für Schritt) die neuen Menschen, Räume, Regeln, Spielsachen, Abläufe, Pädagogen kennenzulernen.
Gibst du jetzt dein Kind für die 3-wöchige Sommerschließzeit in eine andere Kita muss es vom ersten Moment an mit allem direkt klarkommen, ohne dass dein Kind all das in der neuen Einrichtung kennt.
Stress pur.
Und den sicheren Halt, den es für neue Situationen bräuchte, ist nicht dabei – der Elternteil.
Freunde
Dazu kommt, dass dein Kind in der eigenen Kita Freunde hat, die anderen Kinder in der Gruppe kennt.
In der neuen Kita kennt es niemanden!
Hat keine Freunde!
Keinen zum Spielen!
Ja, Kinder spielen mit anderen Kindern.
Auf dem Spielplatz. In der Reha. Im Urlaub.
Da sind die anderen Kinder nämlich auch fremd. In einer fremden Umgebung. Wo es ständig andere / fremde Kinder gibt.
Im Kindergarten haben sie ihr gewohntes Umfeld, kennen das Spielzeug, die Regeln und haben Freunde. Für sie ist das wie immer.
Für dein Kind ist alles anders!
ALLES!
Stress pur – ohne die Möglichkeit zu entspannen






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