Kindergarten- & Schulzeit

Liebe Schwiegermama, im ersten Teil des Interviews ging es um die ersten Lebensjahre Deiner Kinder. Magst Du erzählen, wie die drei Geschwister aufeinander reagiert haben?

Drei Jahre nach der Geburt meiner Tochter im Jahr 1953 wurde mein Sohn geboren, weitere 4 Jahre später kam nochmal ein Mädchen. Dieses letzte Baby hat jedem meiner früher geborenen Kinder ein kleines süßes Teddybärchen „mitgebracht“. Die Liebe war hergestellt und geschwisterliche Eifersucht kam gar nicht erst auf. Meine Ute wollte sofort mit dem kleinen Schwesterchen wie mit ihren Puppen spielen, und mein Sohn Rainer hat erst einmal enttäuscht konstatiert: „Aber ich wollte doch ein Brüderle“. Der kleine Teddy indes brachte ihn zum Strahlen.

„Ich will die Petra sehr lieb haben und immer mit ihr spazieren gehen“, meinte er dann treuherzig. „Und wenn ein Auto kommt und sie auf die Straße will, werde ich sie schnell zurückholen, damit sie nicht überfahren wird. Wenn sie mit Streichhölzern spielt nehme ich sie ihr ab, damit sie sich nicht verbrennt. Aber wenn die Petra mich haut, haue ich sie auch.“

Das alles habe ich schriftlich festgehalten.

 

Zu der damaligen Zeit gehörten Schläge zur Erziehung dazu? – Haben das Deine Kinder auch zu spüren bekommen?

Zu der Zeit lebten wir in Echterdingen bei Stuttgart. Dort gingen die Kinder auch in den Kindergarten. Rainer gefiel es dort gut, was ihn aber nicht daran hinderte, grundsätzlich erst einmal GEGEN ALLES zu sein. Außerdem stellte ich fest, dass meine Kinder aggressiv wurden. Zuerst wurde mir der Breilöffel aus der Hand geschlagen, dann landeten die Patschhändchen in meinem Gesicht. Sie schlugen mich. Meine Mahnung „Lass das, Du kannst Mami doch nicht schlagen“, half nicht, die Patschhändchen landeten weiter in meinem Gesicht. Daraufhin gab es zunächst einen leichten Klaps auf das Händchen. Ohne Erfolg. Ich wurde energischer und der Klaps auf die Hand wurde stärker, so dass es weh tat. Daraufhin rannte mein Sohn ins Kinderzimmer, stellte sich auf einen Schemel und rief durch den Kaminschacht, der ins Wohnzimmer führte: „Ich will nicht lieb sein, ich will überhaupt nicht lieb sein“. Es war manchmal echt schwierig.

Wie erlebten Deine Kinder die Kindergartenzeit? Gibt es Anekdoten aus dieser Zeit?

Meine Älteste, meine Ute, war immer ganz unglücklich, wenn ich die Kinder in den Kindergarten brachte und wollte immer bei Mama bleiben. Mama musste aber halbtags arbeiten. Mir hat sich jedes Mal mein Herz umgedreht, wenn ich mein Kind so weinen sah. Ute ist dann auch so oft es ging aus dem Kindergarten abgehauen, zusammen mit noch 2 Kindern. und hat sich auf dem Friedhof versteckt. Wir wohnten direkt gegenüber. Dort hat sie dann regelmäßig ihre Schuhe irgendwo deponiert, und ich bin dann immer den ganzen Friedhof abgelaufen und habe die Schuhe gesucht. Es war Winter und alles war verschneit. Aber meine Ute kam immer barfuß nach Hause. Es war schrecklich.

Im Haus unten, wo wir wohnten, gab es eine Bäckerei. Rainer ging schon als kleiner Junge gerne einkaufen und durfte immer die Brötchen von unten holen und auch bezahlen. Darauf war er ganz stolz – und ich auch. Einmal bekam er falsches Wechselgeld von der Verkäuferin heraus. Sofort hat er es bemerkt und moniert. dass er noch 2 DM bekäme. Damals war er immerhin erst 4.

 

Damals gab es ja eine Impfpflicht. Wurden Deine Kinder geimpft? Und wenn ja, wie stehst du heute dazu?

Dann zogen wir nach Frankfurt, wo die Kinder zur Schule gingen. Dort wurden wir auch konfrontiert mit der Impfung. Es war überflüssig zu diskutieren oder zu überlegen. Es war einfach so. Es wurde geimpft. Ich weiß heute nicht mehr, wofür die Spritze gut war. Gegen Scharlach, Masern, Keuchhusten oder Pocken? Jedenfalls bekamen die Kinder trotzdem Masern und auch Keuchhusten. Wenn ich heute noch einmal entscheiden müsste oder dürfte käme eine Impfung auf keinen Fall mehr infrage. Ich lasse mich hier auch nicht gegen Grippe impfen, was seit neuestem Gang und gäbe ist.

 

Kannst Du Dich noch an die Schulzeit deiner Kinder erinnern?

In der Schule hatten die Kinder keine Schwierigkeiten mit dem Lernen. Sie waren sehr aufgeweckt. Lust zum Lernen hatten sie natürlich trotzdem nicht immer. Und Rainer brachte es oftmals fertig dem Lehrer rigoros zu erklären, dass er ‚heute‘ keine Rechenarbeiten lösen wollte, weil er ‚heute‘ keine Lust zum Rechnen hatte. Der Lehrer kam nach Hause und hat es uns erzählt. Ich konnte mich nicht beherrschen. Ich musste einfach nur schrecklich lachen, weil ich mir meinen Sohn genau dabei vorstellen konnte.

 

Haben Freunde im Leben deiner Kinder eine Rolle gespielt?

Unsere Petra brachte es fertig, zusammen mit ihrem Freund Jens (ein Nachbarsjunge) auf dem Feld eine ganze Scheune in Brand zu stecken, als sie mit Streichhölzern spielten. Die Hütte brannte bis auf den Grund ab. Und nach dem ersten Schrecken und der Gewissheit, dass die Kinder unbeschadet davongekommen sind, bekamen beide eine anständige Tracht Prügel auf den Hintern, damit sie sich merken sollten, nicht mehr mit Feuer zu spielen.

„Wer nicht hören will muss fühlen“ war die Rede meines Vaters. Ich habe jeden Tag Haue bekommen mit dem Kochlöffel, woraufhin ich immer alle Kochlöffel versteckt und dadurch noch mehr Haue bekommen habe. Ich musste die Dinger schließlich wieder rausrücken.

 

In Frankfurt hatten wir ein Haus mit einem großen Keller, der zum Partykeller für unsere Kinder umfunktioniert wurde. Alle Freunde aus der Umgebung trafen sich bei uns. Wir freuten uns, wussten wir doch immer wo unsere Kinder waren. Ich habe ihnen immer Schnittchen in den Keller gebracht, die sie begeistert angenommen haben.

Es waren immer Jungen und Mädchen zusammen. Pubertät oder gar Sex waren ein Fremdwort und kein Thema. Das war tabu und darüber wurde nicht gesprochen. Sie haben sich wohl untereinander aufgeklärt, wie das auch bei mir im Pensionat der Fall war.

Möchtest Du den Lesern noch etwas sagen?

Nun sind meine Kinder groß und haben selber Kinder. Vielleicht werden sie nun feststellen, dass Kindererziehung gar nicht so einfach ist. Ich bin aber überzeugt, dass sie nach bestem Wissen und Gewissen alles tun werden, die Kinder zu rechtschaffenen Menschen zu erziehen. Denn auch zu meiner Zeit wollte man nur das Berste für die Kinder und hoffte, alles richtig zu machen.

 

Edith Kühn wurde im Dezember 1928 in Mannheim geboren.

Dort wuchs sie auch die ersten Jahre ihres Lebens auf.

Es folgten 6 Jahre Pensionat (Internat für Mädchen) in St. Blasien / Schwarzwald.

Anschließend lebte sie in Stuttgart und danach in Frankfurt. Wo sie am Dr. Hoch´s Konservatorium ihre Reifeprüfung zur Konzertpianistin ablegte.

Sie war sehr viel auf Reisen, gab viele Konzerte im In- und Ausland als Chorleiterin und Pianistin.

Studium der Musik und Ausbildung zur Konzertpianistin

Studium der buddhistischen Philosophie

Studium Journalismus und Belletristik

Studienkurse absolvierte sie in Japan, Tokyo, Kyoto und in Trets / Frankreich.

Seit 23 Jahren lebt sie in Spanien an der Costa Blanca und arbeitet heute noch als Lektorin und Kolumnistin bei der führenden deutschsprachigen Zeitung.

Ein besonderes Anliegen war ihr stets die Beobachtung von Menschen und Tieren. Viele Begebenheiten hat sie festgehalten und niedergeschrieben.

Edith hat drei Kinder, fünf Enkel und ist seit 12 Jahren meine Schwiegermama

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