„Als Erzieherin musst du doch wissen, wie das mit der Erziehung funktioniert!“
„Muss ich das? Und was ist, wenn ich es nicht weiß?“
„Du hast zwei pädagogische Ausbildungen, arbeitest seit Jahren im sozialen Bereich mit Familien – wo soll da jetzt der Unterschied zur eigenen Familie, zum eigenen Kind sein?“

Gute Frage.
Wo soll der Unterschied sein?
Gibt es überhaupt einen?
Und was, wenn ich Fehler mache?
Kann ich diese dann als Helfer sehen und dankbar sein?

Die Erziehung meines Kindes

Das pädagogische Wissen hatte ich.
Doch wollte ich privat wirklich Erzieherin sein?

Nein, ich wollte Mama sein!
Und keine Pädagogin!

Zumindest war das der Wunsch.
Denn selbstverständlich floss das ein oder andere der jahrelangen Erfahrung im sozialen Bereich in die Erziehung meines Sohnes mit ein. Und nicht nur diese. Denn mit dieser kam auch die Unsicherheit und die Angst.
Ich wollte einfach nichts verkehrt machen!
Nicht versagen!
Und war gleichzeitig so unsicher, ob das, was ich mache, auch richtig ist?!

Mein Perfektionismus und mein Wissensdrang trieben mich in den Wahnsinn

Ich wollte alles perfekt machen. Keine Fehler machen.
Recherchierte im Internet, bestellte mir Bücher, las einen Artikel nach dem anderen, hinterfragte, eignete mir neues Wissen an.
– Mittlerweile weiß ich, dass dieses zwei der Symptome von ADHS sind – besser macht es das trotzdem nicht.-

Ich reflektierte mich ständig, kritisierte mich selber, war nie zufrieden mit mir!

Warum bin ich nur Mama geworden?

Diese Frage stellte ich mir immer öfters.
Warum nur?
Warum bin ich Mama geworden?
Hat mein Sohn nicht eine bessere Mama verdient?

Warum schaffen das andere Mamas? Und ich nicht?
Hatte ich nicht genug Wissen?
Welchen Fehler hab ich jetzt schon wieder gemacht?
Und was genau war daran falsch?
Warum kann ich aus meinen Fehlern nicht lernen?

Du stellst dir die ein oder andere Frage auch?

Ich kann für meine Fehler nicht dankbar sein.
Denn sie erhöhen meine Selbstzweifel!
Und diese machen sich dann ganz laut bemerkbar.
Schreien sogar, dass ich damit die Entwicklung meines Sohnes negativ geprägt habe.

Meine Gedanken an dich

Und da ich mir diese Selbstzweifel, diese Gedanken, nicht für dich wünsche, habe ich dir eine kleine Reise mitgebracht:

Stell dir einmal vor, du möchtest ein neues Gericht kochen.
Du verwendest sowohl exakt die Zutaten als auch die angegebene Mengen, wie sie im Rezept stehen.
Doch es schmeckt dir nicht!
Immer und immer wieder versuchst du es.
Aber nie wird es so, dass es dir schmeckt.
Allen anderen jedoch schon.

Du zweifelst an dir.
Versuchst dich anzupassen.
Scheiterst.

Du fragst dich, ob dein Geschmack falsch ist?
Ob und wie du deinen Geschmack verändern kannst?
Doch du findest keine Antwort!

Immer mehr verzweifelst du.
Versuchst dich abzulenken.
Gehst spazieren.
Im Wald.
Ruhe.
Keine Vorwürfe.
Keine Selbstzweifel.

Plötzlich steigt dir ein Geruch in die Nase.
Du kennst ihn nicht.
Verfolgst ihn mit deiner Nase.
Bis du an einer Pflanze ankommst.

Du genießt den Geruch.
Nimmst dein Handy und fotografierst die Pflanze.
Fragst nun jeden Menschen, ob er weiß, wie die Pflanze heißt.
Keiner weiß es.
Jeder hat eine Vermutung.
Du fängst an, mit den Vermutungen zu recherchieren.
Bekommst viele Antworten.
Doch keine passt.

Bis dir auf einmal der eine Mensch mit einer völlig neuen Antwort kommt:
Dem Namen der Pflanze!
Er erzählt dir wofür und wie du sie verwenden kannst,
gibt dir Impulse,
stellt Fragen.

Du bedankst dich.
Indessen bestellst du dir das dazugehörige Gewürz dieser Pflanze,
gibst es zu deinem Rezept hinzu.

Es ist besser,
aber noch nicht so,
dass es dir schmeckt!

Immer weiter versuchst du es.
Bis es dir schmeckt!!!

Ohne dein dazugelerntes Wissen hast du anders gehandelt!
Jetzt weißt du mehr!
Und lernst jeden Tag weiter dazu!

Du hast nicht falsch gehandelt!
Du hast entsprechend deines Wissens gehandelt!

Du bist eine liebevolle Mama!
Und vollbringst in jeder Situation das Bestmögliche!
Kannst du dir selbst verzeihen und für deine Fehler dankbar sein?


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2 Antworten zu „Warum bin ich nur Mama geworden?“

  1. Danke für deine Sicht und die damit verbundene Wertschätzung

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  2. Die emotionale Bindung macht den Unterschied. Sowohl bei der Beziehung zum eigenen Kind als auch in der Beziehung zum Ehepartner oder der eigenen Familie. Aus diesem Grund kann man fremde Kinder objektiv erziehen, trainieren oder fördern, mit Arbeitskollegen eine gepflegte Diskussion führen und zu den Nachbarn auch freundlich sein, wenn man selbst einen ganz miesen Tag hat. Wer mit fremden Kindern arbeitet, in Kindergarten, Schule, im Sportverein, mag „seine“ Kinder natürlich gern, aber wir können objektiv auf die uns fremden Kinder sehen und Entscheidungen treffen. Es interessiert mich nicht wirklich als Trainer einer Mannschaft, ob die Kinder gern ihre Hausaufgaben machen. Oder ob sie ihre Zimmer aufräumen. Ich kann mit diesen Kindern interagieren, ohne die fesselnden Emotionen, die mich lenken, wenn ich mich mit meinen eigenen Kindern und deren Sorgen und Nöten beschäftige. Für fremde Kinder bin ich eine Leitfigur, für meine Kinder die Löwenmutter. Deswegen glaube ich, dass Erzieher*Innen keine besseren oder schlechteren Eltern sind, als solche, die keine Ausbildung haben. Sie sind einfach Eltern wie alle anderen auch, mit ihren Stärken und Schwächen, ihren Fehlern und Sorgen und der Hoffnung, dass es ihren Kindern gut geht und sie ein tolles Leben haben werden.

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