Hilfe, mein Kind klaut

Dein Kind ist 3 Jahre und kommt vom Spielen von den Nachbarn nach Hause. Beim abendlichen Umziehen im Bad bemerkst du, dass seine Taschen nicht leer sind. Sie sind mit etwas gefüllt.
Du fragst nach. „Mein Spielzeug“ antwortet dein Sohn.
Du bist dir jedoch sicher, dass dieses nicht sein Spielzeug sein kann und fragst bei den Nachbarn nach.
Dein Gefühl hat dich nicht getäuscht, denn die Mama des Nachbarkindes antwortet dir, dass dieses das Spielzeug ihres Sohnes ist, du dir aber keine Sorgen machen bräuchtest, denn in dem Alter ist das völlig normal in der Entwicklung eines Kindes. Doch ist es das wirklich?


Im folgenden Artikel geht es um dein Verhalten, die Phase des Klauens, mit deinem Kind ins Gespräch zu gehen, die Suche nach den Gründen, was du machen kannst, wenn dein Kind bestohlen wird und ob stehlen gleich stehlen ist.

Wie verhältst du dich jetzt als Elternteil?

• Du weißt nicht, wie du dich verhalten kannst?
• Du reagierst panisch?
• Du machst deinem Kind Vorwürfe?
• Du wirst misstrauisch?
• Du neigst zu düsteren Fantasien und siehst dein Kind schon als Gewohnheitsdieb in einer Jugendvollzugsanstalt?

Phase des Klauens

junge Kinder
junge Kinder

Bei Kindern im Alter von 5 – 10 Jahren kann es zu einer Phase des Klauens kommen. Somit ist dieses zunächst kein Grund zur Besorgnis. Dennoch ist es wichtig, dass du das Verhalten deines Kindes ernst nimmst, neugierig und interessiert bist und versuchst zu verstehen, was dahintersteckt.

Das dein Kind dich anlügt, in dem es sagt, dass das sein Spielzeug ist, ist ein gutes Zeichen: zum einen zeigt dein Kind ein Unrechtsbewusstsein und zum anderen lernt es nun Geheimnisse zu haben und sich Fantasiegeschichten auszudenken. Diese Fähigkeit perfektioniert dein Kind bis etwa zum zehnten Lebensjahr.
Daher geschehen Diebstähle von Kindern meist in dieser Entwicklungsphase. Und diese geht, wie alle anderen Phasen auch, wieder vorüber.

Denn für deinen Sohn gibt es in eurer Familie erst einmal nur Gemeingut: Tisch, Stühle, Sofa… Diese gehören – zumindest aus der Sicht deines Sohnes – niemandem. Mit dem Gebrauch von eigenem Spielzeug entwickelt dein Kind nach und nach eine Vorstellung von Besitz – der Besitz, das Eigentum, deines Kindes: vom „mein“ und „ich“ zum „dein“ und „du“.

Diese Vorstellung muss aber nicht automatisch dazu führen, dass sich die Regeln der Erwachsenen auch verfestigt haben. Denn Theorie und Praxis ist auch bei Kindergarten- und Grundschulkindern ein lang anhaltender Widerspruch.

Geh mit deinem Kind ins Gespräch

Gespräch zwischen Papa und Sohn
Gespräch zwischen Papa und Sohn

Nimm dir die Zeit, um mit deinem Kind ins Gespräch zu gehen.
Gib deinem Kind die volle Aufmerksamkeit; ohne Termindruck und ohne Handy.

Du kannst das Gespräch etwa so beginnen: „Wir wissen beide, dass du Dinge genommen hast, die dir nicht gehören. Auch wissen wir beide, dass das falsch ist, weil es andere Menschen verletzt und sie traurig und wütend macht.
Ich habe jetzt ziemlich viel darüber nachgedacht, warum du das tust, aber ich weiß es einfach nicht.
Mein erster Gedanke war, dass es vielleicht etwas in unserer Familie gibt, dass dich unglücklich macht. Um herauszufinden, was es ist, brauche ich jedoch deine Hilfe. Hilfst du mir?“

Ich bin mir sicher, dass dein Kind einwilligen wird, obwohl es für ihn eine sehr unangenehme Situation ist.

Nun könnte seine Antwort lauten: „Nein, es ist nichts.“
Du könntest antworten: „Wirklich? Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass unsere Familie perfekt ist. Aber vielleicht ist sie das für dich?“
Oder du fragst: „Was geht dir durch deinen Kopf, wenn du anderen etwas wegnimmst?“.
Seine Antwort wird höchstwahrscheinlich „Nichts“ oder „Ich weiß nicht“ sein.

Der Punkt ist, dass er vermutlich selbst keine Erklärung für sein Verhalten hat. Aber deine offenen und interessierten Fragen werden ihn dazu bringen, darüber nachzudenken. Und wenn du das Gespräch kurzhältst und es nach ein paar Tagen wieder aufnimmst, wird dein Sohn möglicherweise eine Antwort haben.

Die Suche nach den Gründen

Ein wenig kannst du das Handlungsmotiv deines Kindes daran ablesen, wem was geklaut wurde:

  • Handelt es sich möglicherweise um einen Gegenstand, den sich dein Kind von Herzen wünscht?
  • Geht es um eine Mutprobe?

In beiden Fällen möchte dein Kind dazugehören.

  • Stiehlt dein Kind derart auffällig, dass er zwangsläufig erwischt werden muss, verbirgt sich oftmals ein Rebellionsverhalten gegen die Eltern und ihre Normen oder auch der Wunsch nach mehr Aufmerksamkeit.

Letzteres ist zum Beispiel der Fall, wenn ein neues Geschwisterkind auf die Welt kommt und das Ältere sich zurückgesetzt fühlt: dein Sohn nimmt sich dann das, von dem er glaubt, dass es ihm ohnehin zusteht.

  • Um mehr Zuwendung geht es auch, wenn das Kind beispielsweise Geld aus dem Portemonnaie der Eltern klaut – materielle Bedürfnisse seien selten der Grund.

Wie soll ich mich verhalten, wenn mein Kind selbst bestohlen wird?

Wird dein Kind bestohlen, heißt es erstmal, Ruhe bewahren.

Bitte agiere nicht über den Kopf deines Kindes hinweg – dein Kind darf schließlich lernen, dass es sich gegen Ungerechtigkeiten selbst zur Wehr setzen kann. Dabei kannst du dein Kind begleiten, indem du gemeinsam mit deinem Kind besprichst, wie es die Situation lösen kann, z.B. kann dein Kind vom Dieb fordern, die betreffende Sache zurückzugeben.

Dialog
Dialog

Hilft dies nicht, kannst du im Hintergrund behutsam eingreifen, etwa indem du mit den jeweiligen Eltern oder Erziehern Kontakt aufnimmst. Dieser Austausch mit anderen kann auch helfen, die eigene Scham zu überwinden.

Wenn das Klauen chronisch wird

Wenn das Klauen bei deinem Kind chronisch wird und du dir Sorgen machst hast du die Möglichkeit dich begleiten zu lassen, z. B. in Form eines Coaches, Erziehungsberatern oder vom Jugendamt.
Gemeinsam setzt ihr euch zusammen und begebt euch auf die Suche nach möglichen Ursachen.

Stehlen ist nicht gleich Stehlen

Stehlen ist nicht gleich Stehlen – kleine Diebe keine kommenden Straftäter!
Denn hinter jedem Handeln steckt ein Bedürfnis, welches es zu entschlüsseln gilt.

Strafen und Drohungen
• Helfen kaum; sie tragen nur dazu bei, die Eltern – Kind – Beziehung brüchiger werden zu lassen. Zudem kann es bei deinem Kind, aus Rache, zu Gegenreaktionen führen, da es beschämt ist.

Verharmlosung
• Ist ein schlechter Ratgeber, der weder zur Gewissensbildung noch zur Unterscheidung von mein und dein beiträgt.

Wiedergutmachung
• Dient dazu, dass Kinder lernen das ihr Verhalten eine Grenzüberschreitung war. Die entwendeten Gegenstände werden zurückgebracht, auch wenn dein Kind dieses nicht möchte.

Entschuldigen
• Ist nur dann erfolgreich, wenn dieses ohne Zwang ausgeübt wird und dein Kind seine Grenzüberschreitung eingesehen und verstanden hat.

4 – Augen Gespräch
• Zwischen dir und deinem Kind ist unabdingbar.
In dessen Verlauf du ihm verdeutlichen darfst, dass sein Handeln nicht zu akzeptieren ist.
Gleichzeitig braucht dein Kind jedoch unbedingt das Gefühl, dass es so angenommen wird, wie es ist – auch mit so einem Verhalten.

Auch „kleine Diebe“ brauchen Halt und Sicherheit!

Vertrauen
Vertrauen

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