Sei doch mal leise

oder

warum es wichtig, dass Kinder laut sein dürfen

Kennst Du dieses Gefühl, wenn sich dein Kind lauthals über etwas freut?

Wenn Dein Kind vor Anstrengung seine Gefühle frei rauslässt?

Was denkst Du in solchen Momenten?

Kinder sind authentisch.

Ihr Lachen kommt von ganzem Herzen!

Sie lachen laut!

Und hemmungslos!

 

Warum lachst Du nicht laut?

Ist es Dir peinlich?

Hast Du das Gefühl, du könntest jemanden stören?

Sind Dir die Blicke der Anderen unangenehm?

Fühlst Du Dich gehemmt, deinen Gefühlen freien Lauf zu lassen?

 

Wie oft hast Du Dir schon einen Lautstärkeregler bei Deinem Kind gewünscht?

Wie oft hast Du Dir schon gewünscht, dass sich dein Kind doch mal leise freuen soll?

Wie oft war Dir die Lautstärke Deines Kindes schon peinlich?

Wie oft wolltest Du schon im Boden versinken?

 

Das alles sind Deine Gefühle!

Deine Erziehung, die Dich geprägt hat!

Doch warum sind Kinder, wenn sie aufeinandertreffen, laut?

Die Stimme ist der Ausdruck ihrer Persönlichkeit!

Im gemeinsamen Spiel der Kinder untereinander erproben sie ihre Ausdruckskraft und ihre Stimme!

Besonders gut beobachten kannst du dieses nach Schulende im Schulbus

Der Bus ist relativ leer.

Kaum ein Fahrgast befindet sich in diesem.

Es ist ruhig.

 

Bis der Bus an die Bushaltestelle fährt an dem die Schüler einsteigen.

Plötzlich wird es lauter.

Ein Gedränge entsteht.

Jeder will rein – und am besten zur selben Zeit.

Der Bus füllt sich mit Leben!

Doch warum ist das so?

Schauen wir uns mal kurz einen Tag im Leben eines Schülers bis zum Schulende an:

Am frühen Morgen klingelt der Wecker und obwohl der Schüler keine Lust hat aufzustehen, macht er dieses. Zieht sich an und begibt sich auf den Weg zur Schule.

Dort angekommen beginnt auch die direkt die erste Stunde. 45 min stillsitzen.

Nach dieser ist Pause. 10 min. Plus Raumwechsel.

Dann die nächste Stunde. Wieder 45 min stillsitzen.

Anschließend Pause. 30 min. Auf dem Schulhof.

Aber bitte nicht rennen!

Denn: auf dem Schulgelände wird nicht gerannt!

Danach folgen die 3. – 6. Stunde. 4 x 45 min stillsitzen.

Und jetzt?

Endlich ist Schulende!

Jetzt noch schnell beeilen, dass der Schulbus auch nicht verpasst wird!

Kaum im Bus drin können sich die Schüler endlich unterhalten, sich über die nervigen Lehrer aufregen.

Die ersten zwei Minuten.

Denn spätestens dann kommt der Satz des Busfahrers über das Mikrofon: „Hier herrscht Ruhe!“

 

Ja, aus Sicht des Busfahrers kann man es vielleicht ein wenig nachvollziehen.

30 Schüler, die sich unterhalten.

Und er? Er muss sich auf den Straßenverkehr konzentrieren!

Hat Verantwortung!

 

Doch was ist mit den Kindern?

Diese haben den ganzen Tag still im Unterricht gesessen, hatten kaum die Möglichkeit sich zu unterhalten.

Wann haben die Schüler die Möglichkeit die Schule und ihre Herausforderung zu verarbeiten?

Voraussetzung für einen kontrollierten Stimmeinsatz unserer Kinder ist eine nahe und ruhige Kommunikation auf Augenhöhe.

Das heißt nicht, dass es zwingend notwendig ist vor dem Kind auf die Knie zu gehen, damit du auf Augenhöhe kommunizieren kannst.

Anschreien ist jedoch keine Option!

 

Ich weiß, dass es Situationen gibt, in denen du als Elternteil verzweifelt, sauer, wütend, machtlos bist.

Das sind deine Gefühle.

Diese sind wichtig.

Sie wollen gehört und angenommen werden.

 

Um eine ansatzweise Nachvollziehbarkeit dessen zu bekommen, kannst du ein kleines Experiment mit deinem Partner durchführen:

Einer von euch beiden stellt sich auf einen Stuhl und der andere geht davor in die Knie. Das ist ungefähr der Größenunterschied von dir zu deinem Kind!

Jetzt schreit derjenige, der auf dem Stuhl steht die andere Person an.

Danach tauscht ihr die Positionen.

Seid ihr fertig, setzt ihr euch bitte gegenüber voneinander und reden über eure Wahrnehmung und eure Gefühle, die ihr in der jeweiligen Position hattet.

 

Diese Gefühle, die derjenige hatte, der angeschrien wurde, hat dein Kind auch!

 

Somit bleibt abschließend nur noch zu schreiben, dass wir als Erwachsene in unserer Vorbildfunktion die Wahl haben, wie wir unsere Stimme einsetzen!

Was kannst du jetzt also machen, wenn dein Kind laut ist?

Du kannst ihm den Rücken stärken, für ihn da sein, ihn Kind sein lassen.

Du kannst für Toleranz plädieren und den Außenstehenden erklären wie wichtig die Stimme für Kinder, für Menschen ist.

Ich bin der Meinung, dass wir als Eltern viel zu oft von unseren Kindern erwarten, dass sie leise sind oder flüstern.

Aber warum?

Solange keine Grenzen überschritten werden, wie z. B. auf einem Friedhof ist es doch ein Bedürfnis miteinander zu reden!

Und falls du dich mit dem Familientreffen im Restaurant unwohl fühlst, verschiebe es doch in die eigenen vier Wände oder trefft euch zum Picknick im Park, wo es Spielmöglichkeiten für die Kinder gibt.

 

Kinder sind Kinder

und

zu ihnen gehört auch ihre Stimme

Und wenn du noch weiter in das Thema einsteigen möchtest, empfehle ich dir meinen Kurs zum Thema „Miteinander reden – Warum dir dein kind nicht immer zuhört“

7 Kommentare zu „Sei doch mal leise

  1. Liebe Maria,
    ein sehr mitfühlender Artikel! Ich hätte mir gewünscht, dass früher mit uns Kindern so umgegangen wäre. Daher finde ich deine Arbeit so toll, weil du in dieses Thema Bewusstheit hineinbringst!!!
    Herzlichst, Anna

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    1. Deine Worte berühren mich tief in meinem Herzen. Danke schön

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  2. Ein toller Artikel Maria! 👍 Vor allem der Vorschlag mit dem „Erwachsenen-Experiment“ gefällt mir! Da hast du nämlich völlig recht – wir Großen bedenken oft nicht, welche Auswirkungen unser Verhalten auf die Kleinen hat. Und wundern uns dann, wenn diese „unerzogen“ reagieren… 😏 Daher ein großes Dankeschön an dich fürs wieder einmal wachrütteln und achtsamer sein! LG Katrin

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    1. Vielen lieben Dank für deine wertschätzende Rückmeldung

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