30 Jahre Deutsche Einheit – sind wir wirklich vereint?

Am 3. Oktober 1990, heute vor 30 Jahren, wurde die Bundesrepublik Deutschland und die DDR wiedervereinigt.

Als ehemalige Ostdeutsche, die 1987 in Eisenach / Thüringen das Licht der Welt erblickte und heute in Mittelhessen lebt, möchte ich den 30. Tag der Deutschen Einheit nutzen um zurückzublicken, auf ein Regime, welches nicht beendet war, als die Mauer fiel.

Zivilcourage in der DDR

Berliner Mauer

Vom Osten zu lernen heißt zunächst einmal Zivilcourage lernen. Die DDR-Bürger haben sich 1989 eine Freiheit erkämpft, die alles andere als selbstverständlich war, sie haben zusammengehalten, sich unterstützt.
Denn in allen gesellschaftlichen Bereichen des SED-Staats gab es nicht nur Anpassung, Mitläufertum und vorbeugende Unterwerfung, sondern auch Verweigerung und Zivilcourage. Dies waren Menschen, die zum Beispiel trotz privater oder beruflicher Nachteile eben nicht in die Partei eintraten.

Es gehörte also für Bürgerinnen und Bürger der DDR eine Menge Mut dazu, sich offen zu verweigern.
Wer in der DDR Zivilcourage bewies, konnte im Regelfall sicher sein, dass er einen Preis in Form von Verzicht auf Komfort oder Karriere, im schlimmsten Fall sogar mit dem Verlust von Freiheit oder gar seinem Leben zu bezahlen hatte.
Welche Sanktionen für aufmüpfiges Verhalten drohten, war dabei unklar. Die Ungewissheit darüber und die allgemeine Rechtsunsicherheit waren wichtige Elemente der Herrschaftsstrategie der SED.

Gesellschaftsordnung in der DDR

Berliner Mauer

Die Menschen haben damals nicht nur ihren Staat und ihre Gesellschaftsordnung verloren (so totalitär die teilweise war, bot sie doch auch eine Heimat und Sicherheit), sondern akzeptierten und übernahmen auch das Modell des alten Klassenfeindes.
Wenn von der DDR gesprochen wird, wird von dieser auch als eine „Erziehungsdiktatur“ gesprochen. Diese umfassende Zielsetzung bedingte auch die (Um-) Erziehung jedes Einzelnen, da auf der Grundlage des Sozialismus eine neue Gesellschaft entstehen sollte.
Über die traditionellen Erziehungs- und (Aus-) Bildungsinstitutionen wie Kindergarten, Schule, Lehrwerkstätten oder Universitäten hinaus waren die Menschen deshalb diesem politisch-ideologischen Anspruch ausgesetzt, der zum Teil bis ins Privatleben hineinwirkte.

Alles neu lernen

Berliner Mauer 1961 – 1989

Vom Osten lernen heißt deshalb auch Lernen lernen: Wo musste ein Volk in jüngerer Geschichte so schnell so radikal umdenken? Die nunmehr „neuen Bundesländer“ mussten ja nicht nur alles neu begreifen: von Straßenverkehrsordnung bis Grundgesetz, von Computer bis Marktwirtschaft samt all ihren nicht gerade positiven Begleiterscheinungen, sondern sich auch mit ihrer plötzlichen Reisefreiheit und einer neuen Vielfalt, um nicht zu sagen Überangebot an Lebensmitteln auseinandersetzen. Ein gewaltiger Kraftakt, für den die neuen Bundesbürger wenig Anerkennung, aber viel Spott geerntet haben.

Mauer weg – Einheit da?!?

Berliner Mauer

Gab es wirklich eine friedliche und demokratische Zusammenfindung? Denn nur weil politisch die Mauer weg war, war sie in den Köpfen der Menschen weiterhin vorhanden und bei einigen ist sie dort auch immer noch; bis zum heutigen Tag.

Denn ein wirklich einheitliches Land sind wir nach 30 Jahren immer noch nicht.
Unterschiedliche Gehälter, unterschiedliche Mieten, von sozial benachteiligten Wohngebieten, der Arbeitslosenquote und der Schulbildung ganz zu schweigen.

Bis heute reden wir immer noch von Ost und West.

30 Jahre nach der Deutschen Einheit leben wir in einem Land zusammen, jedoch noch lange nicht vereint.
Werden wir dafür noch weitere 30 Jahre benötigen?

6 Kommentare zu „30 Jahre Deutsche Einheit – sind wir wirklich vereint?

  1. Ich denke, die Wiedervereinigung ist ein Prozess der lange dauert aber dann irgendwann kein Thema sein wird.

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    1. Was vermutest du, wann dieses irgendwann sein kann?

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    2. Es braucht noch, denke ich, zwei drei Generationen. Aber schon für die heute 25-jährigen spielt Ost-West, West-Ost schon keine große Rolle mehr.

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    3. Wäre es nicht wichtig unsere Geschichte nicht zu vergessen.
      Immerhin ist sie ein Teil unserer Kultur

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    4. Es wird ein Teil unsere Geschichte werden

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