Oversharing ist eines der am meisten missverstandenen Themen im Zusammenhang mit ADHS.
Denn viele Menschen interpretieren Oversharing als:
- Geltungsdrang,
- fehlende Grenzen,
- mangelnde Reife,
- Bedürftigkeit.
Doch bei ADHS steckt häufig etwas völlig anderes dahinter.
Nämlich:
Verbindungsorientierung.
Viele Betroffene versuchen über Offenheit Nähe herzustellen.
Nicht manipulativ.
Nicht berechnend.
Sondern spontan und ehrlich.
Gepaart mit oft nach außen gedrängten intensiven Emotionen, so dass das, was andere Menschen langsam dosieren,von Menschen mit ADHS manchmal direkter und schneller ausgesprochen wird.
Besonders problematisch wird das in einer Gesellschaft, die emotionale Offenheit gleichzeitig fordert und bestraft.
Denn überall heißt es:
- „Sei authentisch.“
- „Sprich über Gefühle.“
- „Zeig dich ehrlich.“
Aber wehe, jemand tut es ungefiltert.
Dann wird Offenheit plötzlich gegen die Person verwendet.
So, dass viele Menschen mit ADHS schon früh lernen, dass Verletzlichkeit gefährlich ist und beginnen sich emotional zurück zuziehen.
Das Missverständnis mit der Rücksichtslosigkeit
Impulsives Reden wird in der Gesellschaft oft mit mangelnder Empathie verwechselt.
Dabei zeigen viele Menschen mit ADHS sogar eine außergewöhnlich hohe emotionale Wahrnehmung.
Das Problem ist also selten fehlendes Mitgefühl.
Das Problem ist die Geschwindigkeit zwischen Wahrnehmung, Emotion und Sprache, so dass viele Betroffene ihren Fehler oft unmittelbar nach dem Satz, nicht selten sogar mitten im Satz, bemerken.
Und genau deshalb folgt häufig sofort:
- Rechtfertigung,
- hektisches Erklären,
- Rückzug,
- Scham,
- übermäßiges Entschuldigen.
Doch Außenstehende sehen häufig nur den impulsiven Moment und nicht die anschließende innere Eskalation.
Hinzu kommt, dass viele Menschen mit ADHS, durch ihre schnell springenden Gedanken, assoziativ, mit abrupten Themenwechsel und den dazu strukturell, beeinflussenden Emotionen, kommunizieren.
Wer also neurotypische Gesprächsführung erwartet, interpretiert das schnell als:
- Desinteresse,
- Egozentrik,
- Chaos,
- fehlende Aufmerksamkeit.
Dabei versucht das Gehirn oft lediglich, mit der eigenen Reizverarbeitung Schritt zu halten.
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