Vom Kind verlassene Eltern

In Deutschland steht die seelische Misshandlung Schutzbefohlener unter Strafe, die seelische Misshandlung anderer Kinder aber nicht. Ich bin eine vom Kind verlassene Mutter, bzw. wir sind verlassene Eltern. Die Höchststrafe für Eltern, wenn das Kind alles daran setzt von den Eltern fortzukommen.

Wie das dazu kam?

Ich erzähle mal von Anfang an: Wir haben jung geheiratet. Dass wir Kinder möchten war von Anfang an klar. Als es nicht klappte musste bei mir hormonell etwas nachgeholfen werden. Aber das hat ganz gut funktioniert und ich war ziemlich am Anfang der Behandlung schwanger mit unserem ersten Sohn.

11,5 Monate später wurde unser zweiter Sohn geboren. Diesmal ohne Nachhilfe. Einfach so.

Wir waren so happy mit unseren Jungs.

Waren sehr engagierte Eltern, haben unsere „Erziehung“ immer wieder hinterfragt, haben unser Bestes gegeben.

Belohnt wurden wir mit zwei glücklichen, starken Jungs.

 

  1. Magst Du uns einen kleinen Einblick in Deine Familie geben (Familienmitglieder, Alter)?

Wir wohnen zu dritt. Ich bin 46, mein Mann wird bald 50 und unsere Tochter ist 7 Jahre. Dazu kommen 3 Kaninchen und eine Katze. Unser Sohn ist letztes Jahr ausgezogen und wohnt einen Ort weiter. Er ist jetzt 21 Jahre. Unser ältester Sohn wohnt in Göttingen. Zu ihm haben wir keinen Kontakt. Er ist jetzt 22 Jahre alt.

Wir sind beide selbständig und arbeiten von daheim aus.

 

  1. Welche Stärken hast Du als Mama?

Ich bin ruhig, gelassen.

Weiß aus meiner Erfahrung mit den großen, dass sich viele Probleme in Luft auflösen und jedes Kind sein eigenes Tempo hat.

Dadurch mache ich mir entwicklungstechnisch jetzt nicht so viele Gedanken wie damals mit den Jungs.

Ich kann meine Tochter voll genießen und bin für sie da. Und ich kann gut auch mal einen Schritt zurück machen, wenn Probleme auftauchen. Ich schaue dann, wie weit sie diese alleine lösen kann und trete erst dann hinzu.

Also ich fuchtel nicht dauernd dazwischen.

 

  1. Welche Stärken haben Deine Kinder?

Sie ist fröhlich, glücklich, selbstbewusst, intelligent, hat ein gutes Einfühlungsvermögen (wenn sie möchte) und kann sagen was sie denkt.

Unser Sohn ist auch sehr selbstbewusst. Er ist verbal sehr stark und nutzt das auch konsequent. Das hat er als Schüler schon gemacht zum Leidwesen mancher Lehrer. Jetzt verdient er damit sein Geld. Unseren ältesten Sohn lasse ich in den Antworten mal weg. Nach 6 Jahren ohne Kontakt ist es schwierig, die zu beantworten.

 

  1. Wenn Du Deinen Kindern eine Disneyfigur zuordnen würdest, welche wäre es und warum?

Unsere Tochter wäre ganz klar Arielle. Schön, intelligent, neugierig und mit einem eigenen Kopf.

Unser Sohn: Schwierig. Ich kenne da auch nicht so viele Figuren. Als erstes schießt mir da Dagobert Duck in den Kopf. Aber der ist ja nicht von Disney – oder?

 

  1. Kannst Du die Momente / Situationen beschreiben als Du gemerkt hast, dass sich Dein Kind in der Pubertät befindet?

Das trifft ja unsere Söhne. Bei unserem ältesten Sohn ganz klar, als er anfing mit sich selbst nicht mehr im Reinen zu sein. Bei unserem zweiten Sohn ging diese Zeit ganz komplikationslos und still. Irgendwann kamen die Mädchen und Partys. Ach ja – und der Kühlschrank war immer leer.

 

  1. Magst Du uns Erzählen, wie es dazu kam, dass Dein ältester Sohn mit sich nicht mehr im Reinen war?

Sie sind sehr unterschiedlichen vom Charakter her.

Während Sohn Nr. 2 ein kleiner Hansdampf war, der jeden Tag eine Verabredung brauchte, war unser ältester Sohn eher ein sehr ruhiger Typ. Sein Freundeskreis beschränkte sich von Beginn an auf wenige Kinder. Und dann auch nur die ruhigen Jungs oder die taffen Mädchen. Verabredungen habe ich für Ihn organisiert, weil ich immer dachte, diese Kontakte sind wichtig. Ihm war das eher egal.

 

Egal was er gemacht hat, er ist da mit voller Leidenschaft eingestiegen: Als Torhüter beim Feldhockey, danach dann im Olympiastützpunkt als Kajakfahrer, zum Ende der Grundschulzeit in der freiwilligen Feuerwehr und danach dann als jüngster Deutscher Segelflieger. Bis zur Grundschule schien auch alles gut – es kann ja nicht jeder so ein offener und draufgängerischer Typ sein.

 

Dann mussten wir umziehen in ein neues Bundesland. Zu diesem Zeitpunkt ging unser ältester Sohn in die 3. Klasse. Wir haben zusammen eine schöne Wohnung mit Garten ausgesucht, haben uns die neuen Grundschulen vor Ort angeschaut und dann mit den Kindern entschieden.

Egal – unser ältester Sohn ist von Anfang an nicht richtig in der Klasse angekommen. Überhaupt schien er ein Problem damit zu haben anzukommen.

 

Erst als er in der Jungendfeuerwehr angefangen hat, hatten wir das Gefühl es wird besser. Entsprechend der Empfehlung der Schule, seiner Leistungen und seinem Wunsch hat er nach der 4. Klasse auf ein Gymnasium gewechselt. Es war ein Alptraum. Er hatte Probleme sich einzuleben, kam nicht an die anderen Kinder heran, wollte nicht mehr zur Schule, sagte immer die Schule stinkt, ist zu laut, er versteht die Schüler nicht, hat sich oft auf die Seite der Lehrer geschlagen…. (Das ganze jetzt mal im Zeitraffer von 3 Jahren) Gespräche mit den Lehrern haben nichts gebracht. Ein Besuch beim Kinderpsychologen auch nicht. Wir haben dann eine Hypnotherapie versucht mit der Hoffnung, seine Grundeinstellung zur Schule ändern zu können.

Wie idiotisch.

Es wurde immer schlimmer.

Ich hatte ein total unglückliches Kind, das sich selbst und sein Umfeld nicht mehr verstand, sich immer mehr einigelte, immer verschlossener wurde. Hilfe bei Ärzten oder Kinderpsychologen (Wartezeit ein halbes Jahr) haben wir keine gefunden. Mir wurde von einer Freundin angeraten die kinderpsychologische Ambulanz aufzusuchen.

Aber ich habe gedacht, dass ich meinem Sohn diesen Stempel nicht aufdrücken möchte.

Er war für mich in Ordnung – gut – so wie er war.

Das hormonelle Gerangel ab der 6. Klasse muss ja nicht jeder mitmachen.

Was für ein Fehler!

In der 6. Klasse hatte er seine erste feste Freundin. Ein Mädchen vom Segelfliegen. Ein nettes Mädchen.

Die Mutter alleinerziehend, Anfang 50 und gerade mit ihrem Abschluss als Diplom-Pädagogin beschäftigt.

Was wir damals nicht wussten: Eine Mutter mit massiven psychischen Problemen, dem Jugendamt bekannt.

Eine Mutter, die den plötzlichen Kindstod ihres Sohnes vor vielen Jahren nicht verkraftet hat.

Eine Mutter, die jetzt der Meinung war unser Sohn wäre ihr verstorbenes Kind. Eine Mutter, die alles daransetzte, unseren derzeit labilen Sohn gegen uns aufzubringen.

 

So war er dann auf einmal der Meinung, wir würden ihn nicht lieben.

Er schlief plötzlich mit einem Messer unter dem Kopfkissen, weil er Angst hatte, wir würden ihm etwas antun.

Da war er 14.

Er kam nur noch sporadisch nach Hause.

Schlief überwiegend bei der Freundin.

Er erzählte uns, dass dies nun seine neue Mutter wäre.

Seine Herzensmutter.

Wir nur die biologischen Erzeuger.

Und er setzte mit ihrer Hilfe alles daran von uns fortzukommen.

Das Jugendamt wurde involviert. Uns konnte es auch nicht helfen. Im Gegenteil – Die Dame dort hat ihn auch noch unterstützt obwohl die Mutter seiner Freundin dort bekannt war.

 

Unser Sohn hat sich in Obhut nehmen lassen. Hat sich in Heime unterbringen lassen mit dem Ziel, irgendwann bei dieser Frau leben zu dürfen – als ihr Sohn.

 

Zu dieser Zeit haben wir alles versucht.

Gekämpft wie die Löwen.

Egal was wir gemacht haben, es war alles verkehrt.

Der Kampf war schon verloren als er angefangen hat.

Wir sind gegen diese Frau einfach nicht angekommen.

Immer, wenn unser Sohn mal eine Nacht bei uns war und ich einen zaghaften Zugang zu ihm bekommen habe, ist er tags darauf wieder zu dieser Frau und der Zugang war dahin.

Er schien alles Gute vergessen zu haben.

Hat ein komplett neues Bild von uns in seinem Kopf aufgebaut.

Seine Geschichte der Vergangenheit passte so gar nicht zu unserer.

Egal wo er hinkam, hat er über uns geschimpft, uns schlecht gemacht.

Was für schlechte Eltern wir doch sind…

 

Wenn ich mir Fotos von früher anschaue sehe ich einen glücklichen, ausgelassenen und geliebten Jungen.

Was ist da passiert?

 

Dieses Gezerre und Manipulieren hat ziemlich zügig dazu geführt, dass es ihn gesundheitlich immer schlechter ging. Es kam eine massive Depression dazu. Ein schwarzer Mann der ihm sagte, er solle sich umbringen. Letztendlich mussten wir ihn einweisen lassen.

Wir haben den Kontakt zu der Frau gerichtlich unterbinden lassen.

Wir haben alles versucht was ging.

Nach dem Klinikaufenthalt kam er auf eigenen Wunsch in eine Jugendhilfeeinrichtung.

Er war ein Jahr schulunfähig und sollte dann an eine Schule für psychisch beeinträchtigte Kinder gehen. Auch dort kam er nicht zurecht mit den Mitschülern. Erst als er auf eine Waldorfschule wechseln durfte (10. Klasse) funktionierte es. Dort schien er angekommen zu sein. Dort durfte er so sein, wie er war. Wenn er eine Pause brauchte durfte er sich zurückziehen, ohne dass ihm Faulheit unterstellt wurde. Es wurde akzeptiert, dass es ihm oft zu laut war. Es wurde akzeptiert, dass er nicht alle Verhaltensweisen seiner Mitschüler verstand.

 

Zu dieser Zeit hatten wir dann auch endlich eine fixe Diagnose aus der Klinik. Aus dem Verdacht auf kindliche Schizophrenie wurde ein Asperger-Syndrom (autistische Teilsprektrumstörung) mit einhergehender Depression.

 

Es ist wohl so, dass Kinder mit Asperger-Syndrom sich lange versuchen anzupassen. Irgendwann sind sie damit aber überfordert und stürzen in eine Depression.

So die Erklärung der Psychologen.

Also waren seine „Eigenheiten“, die wir als Charakterzüge wahrgenommen haben, eigentlich Symptome.

 

Bis er 16 war haben wir unseren Sohn sporadisch bei Treffen mit Jugendamt und Therapeuten sehen können. Wir haben gesehen, wie er unter diesem Gezerre litt.

 

Wenn es darum ging wie wir den Kontakt ausbauen können, im Gegenzug dann das Geziehe der Frau, die ihn weiterhin bearbeitete.

 

Wir haben dann entschieden, dass wir ihn freigeben.

Das wir nicht mehr auf Kontakt bestehen.

Das er selber auf uns zukommen darf.

Die schwerste Entscheidung in unserem Leben.

Aber getroffen aus Liebe.

 

Von da ab haben wir nur noch die Infos, bzw. Berichte der Betreuer erhalten bis er 18 war. Seitdem nicht mal mehr die. Einige spärliche Informationen gibt das Internet hin und wieder preis.

So weiß ich, dass es ihm augenscheinlich gut geht, er studiert, in einem Chor singt.

 

Das muss reichen.

Er hat übrigens den Kontakt zur gesamten Familie abgebrochen.

Auch zu den Großeltern, Freunden. Allen Menschen, die sich für uns ausgesprochen haben.

Selbst Therapeuten, die sich Pro-Eltern geäußert haben, hatten dann keine Chance mehr auf ein vernünftiges Gespräch mit ihm.

 

Wir sind in der Zwischenzeit weggezogen. Es war für mich nicht auszuhalten diese Ablehnung von ihm zu spüren.

Wenn ich durch die Stadt gegangen bin mit der Hoffnung ihn zufällig zu sehen, gleichzeitig mit der Angst seine Ablehnung zu spüren.

 

In dem ganzen Gerangel und der psychisch aufreibenden Zeit bin ich tatsächlich noch einmal schwanger geworden. Das Leben musste weitergehen. Für uns und unsere beiden anderen Kinder. Zu denen wir ein ganz ausgezeichnetes Verhältnis haben.

 

Jetzt ist er 22 Jahre alt.

Wir haben keinerlei Kontakt.

 

Mittlerweile geht es uns besser mit der Situation.

Diese Zeit hat eine Kerbe in meiner Seele hinterlassen.

 

Ich weiß noch wie ich auf dem Badezimmerfußboden zusammengebrochen bin und immer nur gesagt habe: Ich will mein Kind. Diese Zeiten sind vorbei. Ich habe tief in mir einen Ort geschaffen, an dem ich trauere. Ich gestehe mir zu traurig zu sein und zu weinen, über diesen Verlust.

Denn das ist unser Sohn wert.

 

Aber danach ist auch wieder gut und ich lebe weiter.

 

Die Kinder wurden uns geschenkt um sie beim Großwerden zu begleiten.

Nicht um sie uns so zurechtzubiegen wie wir sie gerne hätten.

Die Zeit mit unseren Kindern ist begrenzt.

 

Mit der Pubertät beginnt der Ablöseprozess und das Kind zieht sich zurück. Daher spricht man ja auch vom inneren Kind. Etwas bzw. Jemand Neues entsteht. Ein junger Erwachsener auf den man stolz sein kann.

Aber das Kind ist nicht mehr da.

Mir fehlen meine beiden Jungs.

Ich empfinde das als großen Verlust.

Vielleicht sehe ich das so, weil mir mit unserem ersten Sohn dieser Ablöseprozess nicht möglich war.

Umso dankbarer bin ich, dass ich dies mit unserem zweiten Sohn genießen durfte. Ich musste ihm sagen: Hey, du darfst pubertieren. Du darfst rumschreien, Türen schlagen und über die Grenzen gehen. Das gehört dazu und tut uns gut.

Erst da konnte er das zulassen.

Wir haben jetzt 2 großartige Söhne.

Beide gehen ihren Weg und wir sind stolz. Auch wenn wir den Weg unseres ältesten Sohnes bisher nur aus der Ferne beobachten dürfen.

Und wir haben eine kleine Tochter von jetzt 7 Jahren.

Diese Zeit mit ihr genießen wir, denn wir wissen, man weiß nie, wann sie zu Ende ist. Aber wir wissen, diese Zeit ist beschränkt.

 

 

  1. Die Pubertät ist ein weiterer Schritt in der Entwicklung Deines Sohnes, ein weiterer Schritt in die Selbstständigkeit und Unabhängigkeit – wie geht es Dir damit?

Ich habe gelernt loszulassen.

Jetzt geht es.

Ich kann auch sagen: Katja – diese Erfahrung muss er jetzt selber machen.

Halt dich da raus.

Ansonsten fragt mich unser Sohn (Nr. 2) oft um Rat. Es war früher so, dass er oft gegen meinen Ratschlag anpolterte – verbal. Wenn ich ihm dann aber gesagt habe, dass er jetzt meine Meinung kennt und selber entscheiden muss hat er sich doch meistens meinem Rat angeschlossen.

Heute geht das schneller und einfacher.

Ich vermisse allerdings meine Kinder. Wir hatten eine schöne Zeit miteinander. Jetzt sind sie groß und ich vermisse diese Zeit.

Das hat nix mit Langeweile oder so zu tun.

Trotzdem bin ich natürlich stolz auf meine Großen.

 

  1. „Nimm mich in den Arm – aber bitte lasse mir meine Freiheiten!“ – Wie meisterst Du diese Herausforderung als Mama?

Damit habe ich keine Probleme.

Ich bin da, wenn ich gebraucht werde und kann auch gut einen Schritt zurücktreten.

 

  1. Gab es eine Situation, in der Du Dich aus Deiner Sicht „bescheuert“ gegenüber Deinem Kind verhalten hast? Welche war es? Und wie hast Du sie gelöst?

Wir hatten ja eine schwere Zeit in unserem Lebenslauf. Da ist unser zweiter Sohn total untergegangen. In dieser Zeit habe ich ein Loch was die Beziehung zu ihm betrifft. Er empfindet das nicht so.

Ich reagiere empfindlich auf Zurückweisungen meiner Kinder. Wenn z.B. meine Tochter mal sagt: Du bist eine blöde Mama (kommt auch mal vor). Damit musste ich umgehen lernen. Das liegt sicher auch an unserer Geschichte.

 

  1. Setzt du Deinem Kind Grenzen? -Wenn ja, welche? Wenn nein, warum nicht?

Unseren Großen kann ich keine Grenzen mehr setzen.

Unserer Tochter schon. Sie weiß dann auch sehr genau einzuschätzen, ob meine Grenzen noch dehnbar sind.

Allerdings versuche ich es oft über Gespräche z.B. ist es mir wichtig, dass wir auf die Gefühle anderer Menschen achten. Das ist natürlich schwierig, ein Kind damit nicht zu überfordern.

Ein Beispiel von dem sie mir erzählt hat: Auf dem Schulhof haben einige Jungs zu ihrer Freundin gesagt sie wäre dick und hässlich. Unsere Tochter fand das gemein und da habe ich dann im Gespräch eingehakt.

Ansonsten muss ich eine klare Grenze ziehen was die Süßigkeiten betrifft und die Schlafenszeit unter der Woche.

 

  1. Welche Entscheidungen darf Dein Kind selber tragen? Welche triffst du für Dein Kind?

Wie gesagt: Die Anzahl der Süßigkeiten bestimme ich. Dass sie kein Fleisch mehr isst kommt von ihr. Ich mische mich sonst nicht viel ein.

 

  1. Während der Pubertät ziehen sich die Heranwachsenden zurück und ihre Freunde nehmen einen großen Stellenwert ein. – was für ein Gefühl ist das für Dich?

Das ist ok. Allerdings war bei uns immer die Tür offen. Oft waren sie bei uns. Und ich kannte immer die meisten Freunde sehr gut. Das Umfeld ist so wichtig in diesem Alter.

 

  1. Wenn Du Dir Deinen Sohn anschaust, schwelgst Du in Erinnerungen und würdest am liebsten die Zeit anhalten? Welche Gedanken machen sich in dem Moment breit?

Trauer um die Zeit, die nicht mehr ist. Und Stolz auf das, was entstanden ist.

 

  1. Welche Veränderungen hast Du bei deinem Sohn seit Beginn der Pubertät festgestellt?

Das Ablösen von daheim. Früher war er immer sehr sparsam und pingelig ordentlich. Das hat sich irgendwie in Luft aufgelöst. Erst kam die Sturm- und Drangzeit. Jetzt wird er schon langsam etwas ruhiger.

 

  1. Wie hast Du nach den schmerzhaften Erfahrungen mit Deinem ältesten Sohn Deine Schwangerschaft mit Deiner Tochter erlebt?

Wir haben uns so auf unseren Sohn konzentriert, dass wir unser Geschäft vernachlässigt haben. In dieser Zeit haben wir zusätzlich unsere gesamte Existenz verloren. Mein Mann hat sich einweisen lassen und 2 Monate nicht ein Wort mehr gesprochen.

Nur die Schwangerschaft hat ihm geholfen wieder zu sich zu finden. Ich wollte nicht mehr weiterleben und auch bei mir war es letztendlich die Schwangerschaft, die mich davor bewahrt hat, diesen Schritt zu gehen.

Ich habe eine Ausbildung als Arzthelferin in der Unfallchirurgie und weiß, wie das geht. Ich wusste zu dieser Zeit nicht mehr, wohin mit meinem Schmerz und habe angefangen, mich mit stumpfen Gegenständen zu ritzen um mich wieder zu spüren, bzw. den Schmerz rauszulassen.

Da ich schwanger war und für mich nicht das Recht gesehen habe diesem Kind das Leben nicht zu geben habe ich mich letztendlich gegen diesen Schritt entschieden.

 

Während der Schwangerschaft zog bei uns dann eine Zeit der Ruhe ein und das war dann wohl der Anfang der Heilung.

 

  1. Wie geht es Dir und Deiner Familie heute?

Jetzt geht es uns gut.

Wir sind beruflich und existenziell wieder auf dem Weg nach oben.

Allerdings haben wir uns sehr verändert.

Unsere Werte sind zum Teil anders.

Unsere Lebenseinstellung ist anders. Wir sind anders.

In dieser schweren Zeit hat sich auch im Freundeskreis die Spreu vom Weizen getrennt. Und es kamen neue Freunde hinzu, die wir gar nicht auf dem Schirm hatten, die aber dann plötzlich für uns da waren. Kommentare – auch aus der Familie – wie: Da muss doch irgendetwas vorgefallen sein bei euch, sonst macht er sowas doch nicht. Die waren schon schwer auszuhalten. Grad aus dem engeren Kreis. Die kennen uns doch und müssten es besser wissen. Hin und wieder kommen so Fragen nochmal. Sag doch mal, was war denn damals…. Mittlerweile kann ich auch damit umgehen.

 

  1. Welche Tipps und Erfahrungen würdest du Eltern Heranwachsender mitgeben?

Habt Vertrauen in Eure Kinder.

Lasst sie Erfahrungen machen und nehmt sie immer ernst, wenn sie zu euch kommen.

 

 

Von einer wunderbaren Mama, die anonym bleiben möchte.

 

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