Frühchen

  1. Magst Du uns etwas zu Deiner familiären Situation erzählen (Familienmitglieder, Alter)?

Gern, Ich bin die Sophia, bin 21 Jahre alt und bin eine alleinerziehende Mama. Derzeit befinde ich mich in einer Ausbildung zur Sozialassistentin. Nach meiner Ausbildung möchte ich noch eine Ausbildung zur Fachkrankenschwester machen (auf einer Neonatologie).

In meiner Freizeit nähe ich gerne Kinderbekleidung.

 

 

 

  1. Wie verlief Dein Leben vor der Schwangerschaft?

Ich war gerade erst 18 und befand mich in Ausbildung und lebte bei meinem Vater.

 

  1. Wie hast Du die Schwangerschaft erlebt?

Ich hatte viele Probleme.

Meine Schwangerschaft war alles andere als schön. In den ersten Wochen hatte ich starke Übelkeit und war oft im Krankenhaus. Ich habe kaum gegessen, dadurch habe ich auch nur knapp 4 Kilo zugenommen. Ab der 24 SSW. hatte ich mit Wehen zu kämpfen. Desweitern hatte ich eine beginnende Sepsis durch einen Katzenbiss. Ab der 31 SSW. hatte ich einen beidseitigen Nierenstau (Grad 3).

Trotz alledem habe ich mich auf mein kleines ungeborenes Wunder gefreut und jeden Tag versucht zu genießen.

 

  1. Warum und in welcher Woche erblickte dein Kind die Welt? War es eine natürliche Geburt oder ein Kaiserschnitt?

Finlay wurde am 08.06.2015, bei 32 +6, per KS geboren. Er wurde geholt, weil es mir sehr schlecht ging.

Ich habe gemerkt das etwas nicht stimmt!

Ich hatte starke Wehen, die mit Wehenhemmer gestoppt werden konnten aber, ich konnte nix mehr essen, nicht mehr trinken und nicht laufen.

Es stellte sich im Nachhinein raus das Finlay im Mutterleib eine Blutvergiftung erlitt und es mir dadurch so schlecht ging.

 

  1. Funktionierten alle Organe deines Babys eigenständig?

Mein Sohn hatte Anpassungsschwierigkeiten. Er hatte eine Atemunterstützung, wodurch er einen Spannungspneumothorax erlitt (Lungenflügelzusammenfall).

Er hatte auch eine Blutvergiftung.

Seine anderen Organe waren soweit gut entwickelt.

 

  1. Welches Gewicht hatte dein Kind?

Er wog 2087 Gramm und war 45 cm.

 

  1. Konntest Du ihn direkt in den Arm nehmen?

Leider nein.

Ich habe ihn nicht einmal gesehen.

Ich hörte einen kurzen Schrei, dann war er auch schon weg.

Das finde ich bis heute sehr schlimm.

Ich stand unter starken Medikamenten, weil ich die Schnitte gemerkt habe. Dadurch bekam ich nicht viel mit.

 

  1. Wie ging es Dir nach der Geburt?

Ich war einfach nur glücklich, dass mein Kind in guten Händen war. Ich habe den ganzen Tag geschlafen und konnte nicht einmal mein Kind sehen. Am nächsten Tag bin ich dann zu ihm gegangen. Ich hatte kaum Schmerzen beim Laufen. Dafür ist mir aber Gehirnwasser ausgelaufen weshalb ich unter starken Kopfschmerzen litt. Diese fand ich schlimmer als die Wehen selbst.

 

  1. Warst Du in Begleitung eines lieben Menschen?

Meine Familie war immer für mich da.

Allerdings als wir verlegt wurden war ich ganz allein. Ich hatte keinen Besuch

 

  1. Musste Dein Kind in einen Inkubator?

Ja, er war aber nur 1,5 Wochen im Inkubator

 

  1. Konntest / wolltest Du stillen?

Ich habe dafür gekämpft, endlich anlegen zu dürfen.

Er war aber sehr schwach.

Am 6. Lebenstag habe ich ihm anlegen dürfen.

Wunderschönes Gefühl.

Alle 2 Mahlzeiten habe ich ihn gestillt. Nach knapp 2 Wochen hatte ich kaum noch Milch beim Abpumpen (ich habe ihm die Flasche geben müssen, da er immer noch sehr schwach war).

Ich war unerfahren und dachte, ich habe keine Milch mehr. Niemand sagte mir, dass die Pumpmenge nix über die Stillmenge sagt. Ich bereue es bis heute, nicht einfach immer angelegt zu haben.

Bis heute habe ich ein schlechtes Gewissen.

Nach 7 Wochen kam kein Tropfen mehr beim Abpumpen.

 

  1. Wie bist Du mit dieser Extremsituation umgegangen?

Ich weiß nicht woher ich die Kraft nahm.

Ich werde nie vergessen als eine Ärztin zu mir sagte „Ihr Kind wird gleich operiert, es kommen extra Ärzte aus Berlin, wir können diesen Eingriff nicht machen. Es ist nur ein kleiner Eingriff. Dieser dauert etwa 30 min“

Nach 3 Stunden wusste ich immer noch nicht was mit meinem Sohn war.

Er war doch gerade mal 20 Stunden alt.

Nach 4 Stunden durfte ich zu meinem Sohn.

Dies war ein sehr schmerzhafter Anblick für mich.

Alles voller Kabel in einem extra Inkubator, weil er verlegt werden sollte.

Mein Kind lag dort, und nicht in meinem Arm, mein Kind hatte alles zerstochen von den vielen Nadeln und einen Schlauch zwischen den Rippen.

Ich fragte nur „wurde er wenigstens betäubt“ als sie sagten nur örtlich, schossen mir die Tränen in die Augen, ich konnte kein Wort mehr sagen. Die Männer vom Transport sagten, sie bringen meinen Sohn heile nach Berlin aber auch darauf habe ich nicht geantwortet.

Nun war er weg von mir, er war in Berlin und ich ganz woanders.

Ich durfte nicht zu ihm!

Erst am nächsten Tag!

Ich werde diesen Tag niemals vergessen!

 

  1. Gab es Momente der Angst?

Ich hatte Angst mein Baby gehen lassen zu müssen.

 

  1. Wie hast Du gelernt die Signale Deines Babys zu verstehen?

Ich habe alles intuitiv gemacht.

 

  1. Wie lange war dein Kind nach der Geburt ohne Dich im Krankenhaus?

Ich war jeden Tag bei ihm bis zu seiner Entlassung.

 

  1. Ab wann wart ihr gemeinsam zu Hause?

nach knapp 3 Wochen

 

  1. Wie hast Du die erste Zeit mit Deinem Baby erlebt?

Ich hatte starke Berührungsängste.

Ich wollte ihm nicht wehtun.

Ich habe es allerdings nach 6 Tagen ablegen können.

Jede Minute habe ich genossen, wo er in meinem Arm sein konnte (in meinem Arm hatte ich ihn erst nach 4 Tagen glaube ich oder sogar 5).

 

  1. Was für ein Gefühl hattest Du, wenn Menschen in eurer Nähe waren, die erkältet waren?

Ich habe es vermieden. Da mein Kind oft eine Lungenendzündung hatte oder Bronchitis. Ich bin dann mit ihm Zuhause geblieben. Sobald ein Kind im Kindergarten krank war, habe ich meinen Sohn zuhause gelassen. Das hat sich jetzt wo er 3 Jahre alt ist gelegt. Wir sind ein super Team und ich bin nicht mehr so ängstlich.

 

  1. Wie geht es Dir und Deinem Kind heute?

Wir sind ein eingespieltes Team.

Finlay geht es super. Er kommt mit seiner chronischen Bronchitis super zurecht. Auch wenn es heißt, dass er wieder Medikamente nehmen muss, nimmt er alles an. Er hat ein Notfallspray sowie ein Cortison Spray, was wir immer dabeihaben.

Zurzeit ist er nur in den Wintermonaten krank.

Mir geht es auch super.

Ich bin stolz auf mich die Jahre gemeistert zu haben.

Ich habe ein gesundes und glückliches Kind und das ist das, was zählt

 

  1. Welche Tipps würdest Du aus eigener Erfahrung Frauen mit Frühchen mitgeben?

Auf jeden Fall die Gefühle rauslassen.

Viel darüber sprechen und ganz wichtig: sich auch mal Zeit für sich selbst nehmen! Auch wenn es nur ein Spaziergang ist.

Manchmal muss man einfach mal kurz raus aus der Situation, um wieder Kraft zu tanken.

 

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