Eigentlich hätte mein 500. ster Blogartikel ein Jubiläumsartikel werden sollen.
Eigentlich.
Doch dazwischen kam der heutige Tag: der 2. Juli.
Ein Tag der Erinnerung.
Ein Tag, der schmerzhafter nicht hätte sein können.
Ein Tag, der die Welt für mich und meine Familie zum Stillstand brachte.
Für alle anderen drehte sie sich jedoch weiter.
Heute vor sechs Jahren veränderte ein Satz mein Leben.
Ein Satz, der so sachlich übermittelt wurde und gleichzeitig mein gesamtes Sein erschütterte.
„Sie haben Brustkrebs.“
Ich erinnere mich nicht mehr an alles aus diesem Moment.
Aber ich erinnere mich an das dumpfe Rauschen in meinen Ohren.
An den Gedanken:
„Wie sage ich das meinem Sohn?
Wie mir selbst?“
Heute, sechs Jahre später, stehe ich hier.
Nicht unversehrt.
Aber lebendig.
Und ich möchte mit dir teilen, was es heißt, zu überleben.
Und trotzdem immer wieder von Erinnerungen überrollt zu werden.
Damals: der Bruch im Zeitgefühl
Der Tag meiner Diagnose war wie ein lauter Knall in meinem bis daher lauten, schnellen Leben.
Auf einmal war da Stille.
Angst.
Klinische Gerüche.
Kontrollverlust.
Ich war nicht mehr Maria, die Freundin, Mutter, Ehefrau, Kollegin.
Ich war „die mit dem Krebs“.
Plötzlich war alles an meinem Körper nicht mehr selbstverständlich, sondern potenziell feindlich.
Und mein Kopf war voll mit Bildern vom Sterben.
Obwohl ich doch eigentlich leben wollte.
Überleben ist kein Happy End:
Es ist ein täglicher Kraftakt.
Viele denken: „Ach, du hast’s überstanden, oder? Du bist doch krebsfrei.“
Ja.
Aber ich bin auch:
- Die, die bei jedem Ziehen in der Brust kurz den Atem anhält.
- Die, die sich in Wartezimmern an Untersuchungstage erinnert fühlt.
- Die, die das Wort „Nachsorge“ nicht mehr hören kann.
Es jedoch niemals ignorieren darf.
Ich bin krebsfrei.
Aber mein Inneres ist oft noch auf Alarm gestellt.
Was bleibt sind Narben, Kraft und ein anderes Ich
Ich bin nicht mehr die, die ich davor war.
Aber ich bin auch nicht nur das, was ich durchlebt habe.
Ich bin heute, 6 Jahre nach der Diagnose:
- sensibler,
- schneller erschöpft.
- aber auch: klarer in meinen Werten,
- unnachgiebiger, wenn es um meine Grenzen geht
- und zärtlicher mit mir selbst.
Meistens jedenfalls.
Ich wünsche ich mir, dass andere verstehen, wie viel Mut es braucht, einfach nur weiterzumachen.
Kein Drama.
Kein Mitleid.
Nur: Anerkennung.
Und heute?
Heute bin ich dankbar.
Nicht im romantisierten Sinne.
Sondern auf die leise, verletzliche Art.
Dankbar für:
- jeden Tag, an dem ich keine Klinik von innen sehe
- jedes Lächeln, das nicht erkämpft ist
- jede Berührung, die ich wieder genießen kann
- jeden Moment, in dem ich mich nicht über meine Vergangenheit definiere, sondern über mein Jetzt.
Überleben ist nicht das Ende.
Es ist der Anfang eines neuen, ehrlicheren Lebens.
Ich bin nicht nur Brustkrebsüberlebende.
Ich bin:
Frau.
Freundin.
Mutter.
Chaotin.
Liebende.
Ich bin verletzlich. Aber nicht zerbrochen.
Ich bin müde. Aber nicht aufgegeben.
Ich bin noch hier.
Und das zählt.






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