Ziele gelten grundsätzlich als etwas Positives.
Wer also keine Ziele hat, gilt schnell als unambitioniert, was für Menschen mit ADHS besonders herausforernd und gefährlich sein kann.
Denn viele Ziele, die gesellschaftlich als sinnvoll gelten, erzeugen bei ADHS alles andere als Motivation.
Ganz im Gegenteil: sie können Druck, Selbstzweifel und Blockaden erzeugen.
Woran du erkennen kannst, dass ein Ziel gegen dein Nervensystem arbeitet und somit das Ziel und nicht du selbst das Problem ist, erfährst du in diesem Blogartikel.

Warnzeichen 1: Das Ziel beginnt mit „Ich sollte“

Sobald ein Ziel aus einem inneren „Sollte“, zum Beispiel
„Ich sollte mehr Sport machen“,
„Ich sollte strukturierter sein“
entsteht, ist Vorsicht geboten.
Denn dieses Wort aktiviert nicht die Handlung selbst, sondern deine Scham.
Es verweist nämlich auf äußere Erwartungen, aber nicht auf innere Passung.
ADHS – freundliche Ziele jedoch entstehen aus Entlastung, nicht aus moralischem Druck.

Warnzeichen 2: Das Ziel setzt konstante Motivation voraus

Wenn ein Ziel nur funktioniert, solange du motiviert bist, ist es ebenfalls ADHS – feindlich.
Denn Motivation ist bei ADHS schwankend und zustandsabhängig.
Ziele, die somit keinen Plan für motivationsarme Phasen haben, sind zum Scheitern verurteilt und lassen dich glauben, du seist inkonsequent.

Warnzeichen 3: Das Ziel ist an Zeit statt an Kontext gebunden

„Jeden Morgen“,
„dreimal pro Woche“,
„abends nach der Arbeit“.
Zeitbasierte Ziele ignorieren, dass Tage unterschiedlich verlaufen.
ADHS – freundliche Ziele jedoch orientieren sich an Auslösern und Situationen, nicht an Uhrzeiten.
Wenn dein Ziel also nur bei idealem Tagesverlauf funktioniert, arbeitet es gegen dich.

Warnzeichen 4: Ein einziger Fehler lässt das Ziel innerlich scheitern

Wenn ein verpasster Tag dazu führt, dass du das Ziel aufgibst, ist es nicht fehlertolerant genug.
ADHS braucht jedoch Ziele, die Unterbrechungen einkalkulieren.
Alles andere verstärkt das bekannte Alles – oder – Nichts – Denken und führt zu Rückzug statt zu einem Neubeginn.

Warnzeichen 5: Das Ziel fühlt sich im Körper eng oder schwer an

Noch bevor du rational darüber nachdenkst, reagiert dein Körper.
Druck, Enge, Widerstand oder innere Abwehr sind wichtige Signale deines Körpers, auf die hören darfst.
ADHS – freundliche Ziele fühlen sich nicht euphorisch an, sondern machbar.
Dein körperlicher Widerstand ist also kein Zeichen von Faulheit, sondern von purer Überforderung.

Warnzeichen 6: Das Ziel ist abstrakt und unkonkret

„Besser organisieren“,
„achtsamer sein“,
„produktiver arbeiten“.
Solche Ziele liefern absolut keine Handlung, sondern nur Erwartungen.
Menschen mit ADHS brauchen jedoch konkrete und sichtbare Schritte.
Wenn du nach dem Lesen deines Ziels somit nicht weißt, was der erste kleine Schritt ist, ist es ADHS – feindlich formuliert.

Warnzeichen 7: Erfolg ist erst langfristig oder unsichtbar

Ziele, deren Nutzen erst Wochen oder Monate später spürbar ist, verlieren bei ADHS schnell ihre Wirkung, da das dopaminerge System eine unmittelbare Rückmeldung braucht.
Wenn ein Ziel nichts jetzt erleichtert, wird es innerlich aussortiert, ganz unabhängig von seiner Sinnhaftigkeit.

Warnzeichen 8: Das Ziel basiert auf Selbstkontrolle statt Gestaltung

„Ich muss mich mehr zusammenreißen“,
„Ich darf mich nicht ablenken lassen“.
Ziele, die ständige Selbstüberwachung erfordern, verbrauchen enorme Energie.
ADHS – freundliche Ziele setzen auf Umgebungsgestaltung, Vereinfachung und Reduktion.
Wenn dein Ziel jedoch nur mit Daueranspannung funktioniert, ist es ADHS – feindlich.

Warnzeichen 9: Das Ziel ignoriert Erschöpfung

Viele Ziele gelten unabhängig deines Zustandes.
Es ist ihnen völlig egal, ob du krank, müde oder überreizt bist.
ADHS – freundliche Ziele passen sich jedoch deinem Energielevel an.
Wenn dein Ziel keine Version für erschöpfte Tage hat, wird es dich in genau diesen Phasen zusätzlich belasten.

Warnzeichen 10: Das Ziel bewertet dich als Person

Der deutlichste Hinweis ist jedoch, wenn du dich schlecht, abgewertet fühlst, wenn du es nicht erreichst hast.
Ziele, die direkt mit deinem Selbstwert verknüpft sind, sind gefährlich.
Ein Ziel darf scheitern.
Jedoch ohne das du dich als gescheitert empfindest.
Wenn das nicht möglich ist, ist das Ziel falsch konstruiert.

Nicht jedes Ziel verdient deine Energie

Ziele sind Werkzeuge, keine moralischen Prüfungen.
Wenn ein Ziel dich regelmäßig blockiert, beschämt oder erschöpft, ist es kein gutes Ziel, ganz egal, wie sinnvoll es klingt. ADHS – freundliche Ziele arbeiten mit deinem Nervensystem, nicht dagegen.

 


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