Der heutige Impuls und damit der 515. Blogartikel auf meinem Blog in der Blognacht von Anna lautet „kurzweilig“.
Ein Wort, das auf den ersten Blick leicht klingt, fast verspielt.
Doch je länger ich darüber nachdenke, desto mehr Tiefe entfaltet es.
Kurzweiligkeit kann ein Geschenk sein:
wenn Stunden wie Minuten vergehen, weil man im Flow ist.
Sie kann aber auch zur Last werden:
wenn das Verfliegen der Zeit Leere hinterlässt und Pflichten unbemerkt davongleiten.
In dieser kleinen Geschichte habe ich versucht, den Kern dieses Erlebens einzufangen:
den Tanz mit einer Zeit, die sich nicht zähmen lässt.
Es begann mit einer Uhr.
Sie hing an der Wand, rund, schlicht, ein bisschen zu laut.
Das Ticken war für alle gleich, gleichmäßig, berechenbar.
Nur für sie nicht.
Manchmal raste es.
Sekunden flogen wie Schmetterlinge, zu schnell, um sie zu zählen, zu schön, um sie festzuhalten.
Dann wieder dehnten sich Minuten wie Kaugummi, klebrig, zäh, unerträglich.
Das gleiche Ticken und doch zwei völlig verschiedene Welten.
Sie liebte die Momente, in denen Zeit verging, als hätte sie Flügel.
Wenn sie eintauchte in ein Thema, in ein Gespräch, in ein Spiel, vergaß sie alles:
Hunger, Müdigkeit, den Kalender.
Dann war das Leben kurzweilig.
Hell, bunt, voller Funken.
Sie fühlte sich lebendig, als wäre das jetzt das Einzige, was zählte.
Doch kaum war es vorbei, stand sie da, ratlos, erschöpft, mit einem Haufen unerledigter Dinge, die niemand sonst für sie aufbewahrt hatte.
Wie konnte etwas so schön und gleichzeitig so zerstörerisch sein?
Kurzweilig war ein Fest und ein Verrat.
Die anderen verstanden es nicht.
Für sie war Zeit ein Strom, gleichmäßig, ruhig.
Für sie war Kurzweiligkeit ein Kompliment, ein Prädikat für gelungene Momente.
Für sie war das Leben planbar.
Für sie nicht.
Sie warf einen Blick auf die Uhr, hörte das Ticken.
Dachte an die Aufgaben, die warteten, und an die Ideen, die lockten.
Sie wusste, dass sie wieder springen würde vom einen ins nächste, von der Pflicht in die Leidenschaft, vom Chaos in den Rausch.
Und sie wusste, dass sie es nicht stoppen konnte.
Kurzweilig war ihr Schicksal.
Manchmal leicht, manchmal schwer.
Ein Tanz mit der Zeit, die sich nicht zähmen ließ.
Und irgendwo, tief in ihr, wusste sie:
genau darin lag ihre Wahrheit.
Nicht darin, die Zeit zu kontrollieren, sondern darin, sie zu erleben.
Unberechenbar.
Intensiv.
Kurzweilig.






Hinterlasse einen Kommentar