ADHS ist kein Kinderproblem. Und schon gar kein männliches.
ADHS ist auch nicht immer laut, auffällig oder wild.
Manchmal ist ADHS still. Es versteckt sich. Es tarnt sich in Höflichkeit, Perfektionismus und Überanpassung.
Und manchmal trägt es ein Mama-Gesicht.
Ich bin neurodivergent.
Ich bin Mama.
Ich bin oft überfordert.
Nicht, weil ich nicht liebe.
Sondern, weil mein Gehirn anders funktioniert.
In diesem Artikel, der Teil einer Blogparade ist, teile ich meinen Alltag mit ADHS.
Nicht als Heldin, nicht als Opfer, sondern als Frau, die versucht, beides zu sein:
Mutter und sie selbst.
Muttersein mit ADHS: Liebe trifft auf Reizüberflutung
Ich liebe mein Kind. Und ich liebe die Verbindung.
Aber mein Nervensystem liebt es nicht, wenn plötzlich alles gleichzeitig passiert:
Geräusche, Emotionen, To-dos, Bedürfnisse, Chaos.
Ein normaler Morgen bedeutet für mein Gehirn: mehrere offene Tabs, keine klaren Prioritäten und ein Körper, der unter Hochspannung steht, noch bevor der Tag überhaupt richtig begonnen hat.
ADHS als Mutter zu haben heißt, ständig mit zwei Dingen zu kämpfen:
- Den eigenen inneren Reizen.
- Und den äußeren Erwartungen.
Alltag = Ausnahmezustand
Haushalt? Erschöpfend.
Planung? Schwer greifbar.
Struktur? Überlebensnotwendig, jedoch auch schnell überfordernd.
Ich beginne 10 Aufgaben, beende 2.
Ich schreibe Einkaufslisten, vergesse sie.
Ich weiß, dass ich Dinge vergessen werde.
Schäme mich jedoch trotzdem jedes Mal.
Was andere „chaotisch“ nennen, ist für mich täglicher Hochleistungssport.
Mama mit ADHS – das Unsichtbare sichtbar machen
Was niemand sieht:
- Wie hart ich arbeite, um für mein Kind da zu sein.
- Wie sehr ich mich verurteile, wenn ich laut werde, obwohl ich einfach überreizt bin.
- Wie oft ich denke: „Ich bin keine gute Mutter.“
- Und wie oft ich alles gebe. Jedoch nie das Gefühl habe, es reicht.
Ich bin nicht unorganisiert, weil ich faul bin.
Ich bin nicht ungeduldig, weil ich kein Einfühlungsvermögen habe.
Ich bin nicht vergesslich, weil mir etwas egal ist.
Ich bin neurodivergent.
Und ich versuche jeden Tag mein Bestes.
Mehr geht oft nicht.
Weniger ist trotzdem manchmal zu viel.
Was hilft und was nicht
Was NICHT hilft:
- „Du musst dich halt besser organisieren.“
- „Alle Mütter sind mal überfordert.“
- „Das ist doch normal.“
- „So schlimm kann’s ja nicht sein. Du wirkst doch ganz normal.“
Was HILFT:
- „Wie kann ich dich unterstützen?“
- „Ich glaube dir.“
- „Du darfst erschöpft sein.“
- „Auch mit ADHS bist du genug.“
Mein Wunsch an die Gesellschaft
Nicht jede Mutter braucht mehr Tipps.
Manche brauchen mehr Verständnis.
Mehr Wissen über ADHS bei Frauen.
Mehr Angebote, die nicht „eine Lösung für alle“ sind.
Mehr Räume, in denen auch neurodivergente Eltern gesehen werden.
Denn wir sind viele.
Aber oft still.
Und wenn wir laut werden, dann nicht, weil wir jammern.
Sondern, weil wir sichtbar sein wollen.
Für uns und unsere Kinder.
Ich bin neurodivergent. Ich bin Mama. Ich bin okay.
Ich bin nicht perfekt.
Ich bin nicht immer stark.
Ich bin manchmal laut.
Manchmal zu spät.
Oft erschöpft.
Aber ich bin da.
Ich liebe.
Ich lerne.
Ich wachse.
Und vielleicht ist genau das:
das echte Mama-Sein.






Hinterlasse einen Kommentar