Dieses Jahr wollte nicht erklärt werden.
Es wollte gefühlt werden.
Und selbst das war oft zu viel.

Mein Körper wurde zum Mittelpunkt von allem, nicht aus Achtsamkeit, sondern aus Notwendigkeit.
Tage, die sich nur noch an Dosierungen orientierten.
Nächte, die nicht enden wollten.
Entscheidungen, die nicht aus Freiheit entstanden, sondern aus dem Versuch, irgendwie weiterzugehen.
Vertrauen in Systeme, die eigentlich tragen sollten, wurde auf eine harte Probe gestellt.

Es gab Momente, in denen mein Leben mehr aus Wartezimmern bestand als aus Zuhause.
Gespräche, die Antworten versprachen und neue Fragen hinterließen.
Erkenntnisse, die nicht erleichterten, sondern alles neu sortierten.

Ich musste lernen, dass Klarheit manchmal schmerzhafter ist als Unsicherheit.
Und dennoch notwendig.

Ein Mensch, der mir nah war, ging in einer Phase, in der ich Halt gebraucht hätte.
Zurück blieb nicht nur Leere, sondern das mühsame Begreifen, dass manches, was sich wie Liebe angefühlt hatte, in Wahrheit Kontrolle war. Alte Muster zeigten ihre Spuren erst, als ich stehen blieb.

Und ja:
diese Spuren tun bis heute weh.

Zwischendurch meldete sich das Leben auf seltsame Weise zurück.
Unerwartete Besucher, völlig fehl am Platz und gerade deshalb unvergesslich.
Kleine, fast absurde Begegnungen, die mir gezeigt haben:
nicht alles im Chaos ist Bedrohung.
Manches ist einfach da, um kurz innezuhalten und zu staunen.

Es gab eine Zeit des Rückzugs.
Eine Umgebung, die fremd war und doch Sicherheit bot.
Abstand vom Alltag, vom Funktionieren, vom Müssen.
Dort wurde mir klar, wie erschöpft ich wirklich war:
nicht nur körperlich, sondern tief innen.
Erholung war kein Wellnessbegriff mehr, sondern Überlebensstrategie.

Mein Zuhause wurde zeitweise zur Baustelle.
Nicht freiwillig, nicht sanft.
Staub, Lärm und Verantwortung, die ich tragen musste, obwohl sie nicht meine war.
Am Ende blieb mehr als eine saubere Wohnung:
die Erkenntnis, wie viel Kraft es kostet, Grenzen zu verteidigen, wenn andere sie ignorieren.

Mein Körper wurde erneut geöffnet, repariert, wieder zusammengesetzt.
Vertrauen wurde aufgeschnitten und neu vernäht.
Manche Eingriffe sieht man nicht.
Aber sie verändern alles.

Und während ich noch heilte, kam der Moment, der alles stoppte.
Ein Augenblick, der reichte, um mein Arbeitsleben auf Pause zu setzen.
Bis heute.

Und doch gab es einen Abend, an dem ich einfach nur im Publikum saß.
Lichter, Musik, Bewegung.
Für ein paar Stunden war ich nicht Patientin, nicht Aktenzeichen, nicht „noch nicht wieder belastbar“.
Ich war einfach da.
Und das hat gereicht.

Am Ende dieses Jahres bin ich müde.
Nicht romantisch müde.
Nicht „ich brauche Urlaub“ – müde.
Sondern die Art von Müdigkeit, die entsteht, wenn man zu lange stark war.

Aber ich bin auch noch hier.

Ich habe nicht alles verstanden,
nicht alles verarbeitet,
nicht alles abgeschlossen.
Und das muss ich auch nicht.

Dieses Jahr war kein Kapitel.
Es war ein Fundament.
Unschön, rissig, unter Schmerzen gegossen.
Aber tragfähig.

2025 war kein gutes Jahr.
Doch es war ein ehrliches.

Und vielleicht ist das der Anfang von etwas, das leiser ist.
Und echter.


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