Heute ist der Internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen, auch bekannt als Orange Day.

In vielen Städten und Ländern leuchten Gebäude orange, Organisationen starten Aktionen, es wird gesprochen.
Und doch ist es kein reiner Moment des Erinnerns, sondern des Drängens.
Drängen darauf, dass diese Gewalt nicht unsichtbar bleibt.
Drängen darauf, zeigt zu werden, gehört zu werden, verstanden zu werden.
Und drängen darauf, dass Veränderung nicht nur ein Slogan bleibt, sondern echte Konsequenzen hat: politisch, gesellschaftlich, persönlich.
An so einem Tag ist das Schweigen nicht möglich.
Wobei, eigentlich sollte jeder Tag das Schweigen nicht möglich machen.

Wir müssen hinschauen!
Nicht nur auf die Statistiken, sondern auf das, was hinter ihnen steht:
Menschen, die täglich mit Gewalt leben oder von ihr bedroht werden.

Gewalt gegen Frauen ist keine Randerscheinung: die globalen Dimensionen

Laut UN ist Gewalt gegen Frauen eine der verbreitetsten Formen von Menschenrechtsverletzungen weltweit.
Ein globaler Report der Vereinten Nationen besagt, dass nahezu ein Drittel aller Frauen mindestens einmal körperliche oder sexuelle Gewalt in ihrem Leben erlebt haben.
Genauso alarmierend ist die Zahl:
840 Millionen Frauen.
Laut WHO-Schätzungen sind 840 Millionen Frauen im Alter zwischen 15 und 49 Jahren weltweit Opfer von physischer und / oder sexualisierter Gewalt durch einen Intimpartner oder Nichtpartner.
Diese Dimension zeigt sehr deutlich, dass Gewalt nicht ein vereinzeltes Problem ist, sondern ein tief verwurzeltes Systemphänomen, das weltweit existiert.
Nicht nur in Schlagzeilen, sondern in Millionen Leben.

Die UN verweist darauf, dass etwa alle zehn Minuten eine Frau oder ein Mädchen durch einen Partner oder ein Familienmitglied getötet wird. Eine erschütternde Realität, die wir nicht ignorieren dürfen!

Denn hinter jeder Zahl steht ein Mensch.
Eine Geschichte.

Oft ungehört, oft verdrängt, aber unendlich wichtig.

Die Situation in Deutschland: Zahlen, Realität, Dunkelziffer

Auch in Deutschland ist Gewalt gegen Frauen kein abstraktes Thema:
die Zahlen der letzten Jahre zeigen einen besorgniserregenden Trend.

So berichtet die Euronews, dass 2024 256.942 Fälle häuslicher Gewalt gemeldet wurden.
Dies ist ein Anstieg von rund 3,7 % im Vergleich zum Vorjahr.
Gleichzeitig betont das Bundeskriminalamt (BKA), dass viele Gewalttaten im privaten Umfeld nicht angezeigt werden, sodass die Dunkelziffer vermutlich deutlich höher ist als die gemeldeten Fälle.
In manchen Berichten heißt es auch, dass in Deutschland „fast jeden Tag eine Frau oder ein Mädchen“ im Kontext partnerschaftlicher Gewalt ums Leben kommt.
Diese Realität weist klar auf die Notwendigkeit hin, nicht nur durch Hilfsangebote, sondern durch systemische Prävention, strukturelle Schutzmechanismen auszubauen.

Wenn nun heute am 25. November, dem Orange Day jedes zweite Gebäude orange erleuchtet wird, ist das zwar ein sichtbares Zeichen.
Aber es genügt nicht, wenn Betroffene nachts immer noch nicht sagen können, ob sie sicher sind!

Warum „Orange the World“ mehr ist als Farbe

„Orange the World“ ist nicht nur eine Kampagne, sondern ein Aufruf zum Handeln.
Denn diese Initiative von UN Women markiert jedes Jahr vom 25. November (Orange Day) bis zum 10. Dezember (Tag der Menschenrechte) die Dringlichkeit, Gewalt gegen Frauen nicht als individuelles Problem zu begreifen, sondern als politische Aufgabe.

Die Farbe Orange wurde dabei bewusst gewählt:
sie steht symbolisch für eine gewaltfreie Zukunft, für die Sichtbarkeit von Betroffenen.
Aber auch für die Verantwortung jedes Einzelnen, nicht wegzusehen.

In Deutschland beteiligen sich zahlreiche Städte und Institutionen, wie beispielsweise der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf in Berlin, der öffentlich Flagge hisst und es neben Aktionen in Fußgängerzonen auch Informationsstände gibt.
Organisationen wie CARE nutzen den Tag, um nicht nur zu erinnern, sondern aktiv Präventionsarbeit zu fordern:
Gewalt bekämpfen, Frauen stärken, Räume für Schutz schaffen.

Kurz:
der Orange Day ist kein Ritual, sondern ein politischer Impuls.
Und jeder von uns kann und sollte Teil dieses Impulses sein!

Macht, Unsichtbarkeit und strukturelle Ursachen

Gewalt gegen Frauen hat eine Wurzel, die tiefer geht als individuelle Täter:innen oder Einzelfälle:
es ist ein Machtungleichgewicht!

Patriarchale Strukturen, Machtspiele, finanzielle Abhängigkeiten: sie alle schaffen eine Umgebung, in der Gewalt nicht zufällig, sondern systemisch ist.
Denn die Tatsache, dass viele Opfer nicht über ihre Erfahrungen sprechen, hat Gründe, die zur Unsichtbarkeit beitragen:

  • Angst,
  • Scham,
  • ökonomische Unsicherheit,
  • fehlende Anlaufstellen.

Laut dem DIW ist Gewalt gegen Frauen ein gesamtgesellschaftliches Problem, das nicht nur individuelle Täter:innen, sondern ganze politische, wirtschaftliche und strukturelle Rahmenbedingungen betrifft.
Die Istanbul-Konvention, ein völkerrechtliches Übereinkommen zum Schutz von Frauen, wurde bereits in Deutschland ratifiziert, aber die Umsetzung braucht mehr Tempo, mehr Ressourcen, mehr Bewusstsein.

Denn solange Gewalt nicht systemisch bekämpft wird, bleibt der Orange Day ein Mahnmal.
Jedoch kein Wendepunkt.

Schutz, Hilfe & die Lücken im System

Angebote für Betroffene sind nötig.
Und auch vorhanden.
Reichen nur oft nicht aus.

In Niedersachsen betont das Ministerium:
Es gibt 47 Frauenhäuser, 49 Gewaltberatungsstellen und 29 Interventionsstellen.
Doch selbst diese Strukturen sind nicht flächendeckend, und viele Betroffene haben Angst oder Zugangshürden, diese Einrichtungen zu nutzen.
Das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ mit der Nummer 116 016 ist ein wichtiger Anlaufpunkt:
rund um die Uhr, anonym, in vielen Sprachen.

Für Prävention braucht es nicht nur Hilfe, sondern Offenheit, Bildung, Sensibilisierung, gesellschaftliches Umdenken.
Denn solange Gewalt verdeckt bleibt und Betroffene nicht gehört werden, bleibt Schutz unvollständig.

Warum Schweigen tödlich sein kann und Reden Kraft gibt

Wenn wir schweigen, öffnen wir die Tür für das Verdrängen.

Stille schützt niemanden!

Jede ungesagte Geschichte, jede unausgesprochene Angst ist ein Teil des Problems.
Reden ist kein Anklagen.
Es ist ein Akt des Mutmachens, des Zeigens, dass wir nicht bereit sind, weiter wegzusehen.

Sichtbarkeit kann brüchig sein.
Aber sie ist lebenswichtig!

Wenn eine Frau ihre Stimme erhebt, ist das mehr als ein persönlicher Schritt:
es ist ein politisches Statement.

Es ist ein „Ich existiere, auch wenn du wegschauen willst.“

Und es ist eine Einladung an uns alle, nicht nur zuzuhören, sondern wirklich hinzusehen.

Der Orange Day als Verantwortung und als Einladung

Heute, am Orange Day, geht es nicht nur um Erinnern.

Es geht uns um Verpflichtung:
Verpflichtung zum Zuhören.
Verpflichtung zum Handeln.
Verpflichtung zu einer Welt, in der Gewalt gegen Frauen nicht Alltag ist.

Das Symbol Orange leuchtet.
Aber es muss durch Taten gefüllt werden:

  • bessere Beratungsangebote,
  • mehr Schutzräume,
  • konsequente Strafverfolgung und
  • vor allem eine Kultur, die Gewalt nicht toleriert.

Wir können nicht alle Gewalt auf einmal beenden.
Aber wir können jeden Tag ein Stück Verantwortung übernehmen.

Indem wir hinschauen, solidarisch sind, uns engagieren.

Und indem wir sagen:

Gewalt gegen Frauen geht uns alle an!
Nicht nur heute, sondern jeden Tag!


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