„Was macht dir Lebensfreude?“
Diese Frage steht im Zentrum der Blogparade zum Thema Lebensfreude.
Eine scheinbar einfache, warme und positiv klingende Frage.
Die mich allerdings ziemlich herausfordert.
Denn als Frau mit ADHS, die insbesondere in einer engen Beziehung oder Partnerschaft lebt, kann Lebensfreude oft zu etwas werden, das aktiv erarbeitet werden muss.
Sie kommt nicht immer beiläufig oder automatisch.
Manchmal muss sie gegen innere Hürden ankämpfen.
Und doch ist sie da.
Anders.
Zart.
Ungefiltert.
Echt.
In diesem Artikel geht es darum, wie Lebensfreude für mich als neurodivergente Frau in einer Beziehung aussehen kann, trotz (und manchmal auch durch) die Herausforderungen, die ADHS mit sich bringt.
ADHS – wenn Lebensfreude blockiert wird
ADHS bei Frauen zeigt sich oft anders als bei Männern:
- Es ist weniger laut, aber emotional tief.
- Es ist weniger auffällig, aber innerlich oft zermürbend.
In Beziehungen steht die Lebensfreude häufig unter Spannung, weil ADHS:
- zu schneller Überforderung führt
- emotionale Regulation erschwert
- Selbstwertprobleme aus der Vergangenheit wachhält
- Konflikte durch Impulsivität, Rückzug oder Reizüberflutung verstärkt
Dazu kommen häufig
- Sorgen,
- Schuldgefühle,
- der Wunsch, „nicht anstrengend zu sein“ und
- das Gefühl, ständig zu versagen.
Lebensfreude wirkt in solchen Phasen oft wie ein ferner Luxus.
Was Lebensfreude für mich nicht (mehr) ist
Früher dachte ich, Lebensfreude muss:
- leicht sein
- kontrollierbar
- dauerhaft
- für andere angenehm wirken
Aber ADHS ist ein Leben in Extremen!
Mein Leben funktioniert in Wellen.
Ich kann keine dauerhafte „gute Laune“ erzwingen.
Manche Tage sind schlicht überfordernd.
Manche Beziehungen stoßen an ihre Grenzen, weil mein Nervensystem keine Pause kennt.
Lebensfreude ist für mich nicht mehr etwas, das von außen kommen muss.
Sie entsteht dort, wo ich aufhöre, mich für meine Andersartigkeit zu schämen.
In der Partnerschaft: Zwischen Nähe, Reibung und tiefer Verbindung
Partnerschaft mit ADHS bedeutet:
- manchmal Rückzug, wenn Nähe gefordert wird
- Tränen, wenn eigentlich Leichtigkeit gewünscht ist
- Missverständnisse durch Reizüberflutung
- Diskussionen, die eskalieren, weil Worte zu schnell raus sind
Aber es bedeutet auch:
- bedingungsloses Interesse
- tiefe Empathie
- kreative Lösungen
- Leidenschaft und Echtheit
Lebensfreude entsteht bei mir in der Partnerschaft dann,
- wenn ich mich zeigen darf, wie ich bin
- wenn ich nicht „besser funktionieren“, sondern „ehrlich sein“ darf
- wenn mein Gegenüber erkennt: Lebensfreude ist manchmal still, manchmal impulsiv, jedoch immer echt
Lebensfreude als Frau mit ADHS bedeutet für mich…
- … dass ich lernen darf, dass nicht jeder Tag gleich leicht ist und dass das okay ist.
- … dass ich Momente zähle, nicht Wochen.
- … dass ich in einem liebevollen Blick, einer Berührung oder einem gemeinsamen Lachen Kraft finde.
- … dass ich auch mit chaotischem Kopf und emotionalem Durcheinander lebendig bin.
- … dass ich verstanden werde
- oder auch mal einfach in Ruhe gelassen werde.
Lebensfreude ist bei ADHS nicht dauerhaft, sondern punktuell intensiv.
Sie ist wie ein Sonnenstrahl nach Regen.
Unvorhersehbar, aber wunderschön.
Was ich mir in einer Beziehung und der Gesellschaft wünsche
- Weniger Erwartungen an „funktionierendes“ Verhalten
- Mehr Raum für neurodivergente Dynamiken
- Partnerschaften, in denen offen über ADHS gesprochen werden darf
- Und das Verständnis, dass Lebensfreude bei uns nicht „normal aussieht“, aber dafür umso echter ist
Meine Lebensfreude ist neurodivergent – und das ist gut so
Ich empfinde Lebensfreude anders:
Manchmal mit Tränen in den Augen.
Manchmal impulsiv und überwältigend.
Oft im Kleinen.
Nie im Perfekten.
Als Frau mit ADHS und Partnerin lebe ich intensiv!
Nicht immer ausgeglichen, aber tief.
Und genau dort liegt meine Lebensfreude:
Im Unvollkommenen.
Im Ehrlichen.
Im Mut, anders zu empfinden.
Und trotzdem ganz da zu sein.






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