ADHS klingt für viele noch immer nach zappeligen Jungs, Chaos im Klassenzimmer und zu viel Bildschirmzeit.
Doch ADHS ist so viel mehr:
Es ist leise.
Es ist unsichtbar.
Und es trägt oft ein anderes Gesicht, besonders bei Frauen.
Ich bin eine dieser Frauen.
Mein Gesicht ist nicht laut.
Ich war nie „zu wild“.
Aber ich war oft zu still, zu verträumt, zu emotional.
Oder einfach: zu viel.
Es dauerte Jahre, bis ich erkannte, dass all diese Eigenschaften ein Teil von ADHS sind.
Nicht mein persönliches Versagen, sondern eine andere neurologische Verknüpfung.
Diese Erkenntnis veränderte mein Leben.
Denn auch, wenn ADHS 3 Symptome hat, können sich bei jedem Menschen andere Verhaltensweisen zeigen, da ADHS viele Gesichter hat und ich eines davon bin, so dass du dich vielleicht in dem ein oder anderen Wort, in der ein oder anderen Zeile meines Artikels wiedererkennen könntest.
Das unsichtbare Gesicht von ADHS bei Frauen
Frauen mit ADHS maskieren oft. Nicht, weil sie etwas verstecken wollen, sondern weil sie gelernt haben, zu funktionieren.
Sie fallen nicht auf. Sie fallen nur aus der Reihe.
Vor allem innerlich.
Sie geben sich Mühe, alles „richtig“ zu machen, doch fühlen sie sich oft falsch.
In der Schule war ich die, die träumte. Die in Gedanken versank, Hausaufgaben vergaß, aber lächelte.
Als Erwachsene bin ich die, die Schwierigkeiten hat Entscheidungen zu treffen, die die Zeit nicht einschätzen kann, die mit Strukturen kämpft und dabei trotzdem perfekt erscheinen will.
Denn ADHS bei Frauen zeigt sich oft nicht durch Hyperaktivität, sondern durch:
- Emotionale Intensität
- Reizüberflutung und soziale Erschöpfung
- Zeitblindheit und innere Unruhe
- Chronisches Masking
- Perfektionismus gepaart mit Prokrastination
ADHS im Alltag: zwischen Reizflut und Rückzug
Ein typischer Tag mit ADHS ist oft ein Spagat:
Ich stehe mit auf tausend Gedanken auf, verliere beim Zähneputzen die Struktur des Tages, habe mehrere offene Tabs im Kopf, aber keinen richtigen Plan.
Da ich nicht weiß, wo ich anfangen soll, werden kleine Aufgaben zu Mammutprojekten.
Ich vergesse, zu essen oder aber esse alles auf einmal.
Ich liebe Gespräche, bin jedoch danach stundenlang reiz überladen.
Ich will Nähe, brauche jedoch gleichzeitig Abstand.
Und während ich all das erlebe, maskiere ich.
Lächle.
Antworte.
Funktioniere.
Aber abends, wenn der Tag endet, bleibt oft ein Gefühl:
Ich war heute wieder zu viel und zu wenig zugleich!
Mutter, Partnerin, Freundin und chronisch überfordert
Die Rollen, die ich trage, tragen mich nicht immer.
Als Mutter muss ich Struktur schaffen, jedoch mit einem Gehirn, das kaum welche kennt.
Als Partnerin will ich Verbindung, stoße jedoch oft an meine Reizgrenzen.
Als Freundin ziehe ich mich zurück, jedoch nicht aus Desinteresse, sondern weil mein System Ruhe braucht, bevor es zusammenbricht.
Diese Konflikte sind nicht sichtbar.
Aber sie sind real.
Viele Frauen mit ADHS werden als launisch, unzuverlässig oder sprunghaft erlebt.
Dabei kämpfen sie oft im Verborgenen.
Mit sich selbst.
ADHS ist keine Modediagnose. Es ist meine Realität.
Ich höre oft: „Ach, das hat ja heute jeder.“
Aber ADHS ist kein Trend. Es ist keine Ausrede.
Es ist jahrzehntelanges nicht – verstanden – werden!
Es ist ein Leben zwischen Anpassung und innerer Rebellion.
Es ist ein Alltag, der nicht leicht, aber erklärbar ist.
Vor allem nicht, wenn man ihn sieht.
Was ich mir wünsche
- Mehr Bewusstsein in Therapie und Medizin.
- Mehr Empathie im Alltag.
- Weniger „Reiß dich zusammen“
- mehr „Wie kann ich dich unterstützen?“
- Raum, um als Frau mit ADHS nicht stark sein zu müssen, sondern einfach da sein zu dürfen.
Ein Gesicht von vielen, jedoch keines, das allein bleiben muss
Ich bin eine Frau mit ADHS.
Ich bin nicht defekt.
Ich bin nicht zu faul.
Ich bin nicht zu laut oder zu leise.
Ich bin anders verdrahtet.
Und langsam dabei all das zu akzeptieren.
Wenn du dich also in diesen Zeilen wiedererkennst:
Du bist nicht allein.
Wenn du jemanden kennst, der so lebt, glaube ihr.
Höre zu.
Sei da.
Denn ADHS hat viele Gesichter.
Und meines ist nur eins davon.






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