Inklusion ist kein Gnadenakt, sondern ein verbrieftes Menschenrecht!
Seit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention im Jahr 2009 ist Deutschland verpflichtet, Menschen mit Behinderungen gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen.
Doch aktuelle politische Entwicklungen, insbesondere geplante Sparmaßnahmen in der Eingliederungshilfe, werfen die Frage auf, ob dieses Recht zunehmend unter Kostendruck gerät.
Denn wenn Inklusion zur Budgetfrage wird, droht sie, vom Grundrecht zum Luxusgut zu verkommen.
1. Die Bedeutung der Eingliederungshilfe
Die Eingliederungshilfe ist ein zentrales Instrument, um Menschen mit Behinderungen ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Sie umfasst Leistungen wie Assistenz im Alltag, Unterstützung im Berufsleben und Hilfen zur sozialen Teilhabe.
Diese Leistungen sind nicht nur gesetzlich verankert, sondern auch essenziell, um die im Grundgesetz garantierte Menschenwürde und die Gleichberechtigung aller Bürgerinnen und Bürger zu gewährleisten.
2. Aktuelle Sparpläne und ihre Auswirkungen
In Nordrhein-Westfalen plant die Landesregierung erhebliche Kürzungen bei der Förderung der Inklusion:
- Maßnahmen nach dem Inklusionsstärkungsgesetz: Kürzung um 650.000 Euro (-43%)
- Berufliche Inklusion: Kürzung um 2.151.000 Euro (-58%).
- Gesellschaftliche Inklusion: Kürzung um 467.000 Euro (-12%), davon 329.429 Euro weniger für den Behindertensport.
Solche Einsparungen gefährden die Umsetzung inklusiver Strukturen massiv.
Die Lebenshilfe NRW warnte in einem offenen Brief vor einem „radikalen Einschnitt bei der inklusiven Schulentwicklung“ und betonte, dass Kinder mit Behinderungen ohne ausreichende Unterstützung kaum oder gar nicht mehr am Unterricht teilnehmen könnten.
Doch was bedeutet dies konkret für Familien?
Eltern von Kindern mit Behinderung stemmen oft ein Leben im Ausnahmezustand: zwischen Pflege, Therapien, Behördenkampf und Existenzsicherung.
Wenn Leistungen gekürzt werden, fallen keine „Extras“ weg!
Sondern die Unterstützung, die ein normales Familienleben überhaupt erst möglich macht!
Kitas und Schulen ohne Assistenz bedeuten,
dass das Kind entweder ausgeschlossen oder isoliert untergebracht wird oder aber die pädagogischen Fachkräfte bzw. die Lehrer dieses auffangen müssen.
Arbeitszeitreduktion, finanzielle Belastung und seelische Erschöpfung sind die Folge für die Eltern.
Überforderung, qualitativ schlechtere Betreuung für alle, emotionaler Druck, zunehmende Elternkonflikte und ein zunehmend höheres Risiko für Burnout und Fachkräftemangel auf Seiten der pädagogischen Fachkräfte und Lehrern.
Wenn Politik Inklusion zur Verhandlungsmasse macht, bedeutet das:
Familien stehen allein da!
Und das Ganze mit einem System, das sagt:
„Ihr seid zu teuer.“
Dabei sollte Inklusion bedeuten:
Dein Kind gehört dazu.
Immer.
Ohne Wenn und Aber.
Diese Kürzungen treffen uns alle!
Nicht irgendwann!
Sondern jetzt.
Inklusion ist kein Kostenfaktor,
sondern eine Frage der Haltung.
Und was bedeutet der Wegfall von Inklusionshilfen für pädagogische Fachkräfte?
-
Überforderung im Alltag:
Erzieher:innen und Lehrer:innen sind ohnehin schon am Limit.
Ohne heilpädagogische oder sonderpädagogische Unterstützung müssen sie zusätzlich die komplexen Bedarfe von Kindern mit Behinderung auffangen.
Fachlich jedoch oft ohne ausreichende Qualifikation oder Ressourcen. -
Qualitativ schlechtere Betreuung für alle Kinder
Ohne individuelle Hilfen für Kinder mit Förderbedarf entsteht ein Dominoeffekt:
weniger Zeit, mehr Frust, mehr Konflikte.
Und das für alle Kinder in der Gruppe oder Klasse.
Die Qualität sinkt, Differenzierung wird unmöglich! -
Zunahme von Exklusion im Alltag
Kinder, die auf Assistenz angewiesen sind, können nicht mehr an Ausflügen teilnehmen, nicht mehr sicher am Unterricht oder Gruppengeschehen mitwirken.
Und Pädagog:innen werden, gezwungenermaßen zu Gatekeepern von Teilhabe! -
Emotionaler und moralischer Druck
Viele Fachkräfte wollen Inklusion leben, stehen aber ohne Unterstützung hilflos da.
Welche Schuldgefühle, Ohnmacht und langfristig gesehen die innere Kündigung erzeugt. -
Zunehmende Elternkonflikte
Wenn Fachkräfte nicht mehr vermitteln können, dass alle Kinder gut begleitet werden, wachsen Spannungen, sowohl mit Eltern von Kindern mit Behinderung („Warum bekommt mein Kind nicht die Hilfe, die es braucht?“), als auch mit anderen Eltern („Warum bekommt dieses eine Kind so viel Aufmerksamkeit?“). -
Höheres Risiko für Burnout & Fachkräftemangel
Fehlende Unterstützung führt zu wachsender Frustration und Überlastung!
Was genau das Gegenteil von dem ist, was in Zeiten des Fachkräftemangels gebraucht wird!
3. Kritik von Menschenrechtsinstitutionen
Das Deutsche Institut für Menschenrechte kritisiert die halbherzige Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland.
Es fordert Bund, Länder und Kommunen auf, sich entschlossener für die Inklusion und Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen einzusetzen.
Insbesondere wird der Abbau tradierter Sondereinrichtungen und der Aufbau inklusiver Angebote angemahnt.
4. Inklusion als gesellschaftliche Verpflichtung
Inklusion ist keine freiwillige Leistung des Staates, sondern eine Verpflichtung gegenüber seinen Bürgerinnen und Bürgern!
Sie ist ein Ausdruck von Gerechtigkeit, Solidarität und Respekt vor der Würde jedes Einzelnen.
Sparmaßnahmen, die die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen einschränken, sind nicht nur sozial ungerecht, sondern auch verfassungsrechtlich bedenklich.
Ernsthafte Bedrohung für die Inklusion in Deutschland
Die aktuellen Sparpläne in der Eingliederungshilfe stellen eine ernsthafte Bedrohung für die Inklusion in Deutschland dar!
Es ist höchste Zeit, dass Politik und Gesellschaft erkennen:
Inklusion ist kein Luxus, sondern ein Menschenrecht!
Statt Kürzungen braucht es Investitionen in eine inklusive Gesellschaft, in der alle Menschen gleichberechtigt leben können!






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