Kennst du das? Der Tag ist voll, dein Kopf auch.
Und obwohl du eigentlich motiviert bist, schiebst du alles vor dir her.
Selbst einfache Aufgaben werden plötzlich zu unüberwindbaren Hürden.

Wenn du ADHS hast, ist das kein Zeichen von Faulheit. Es ist ein bekanntes Muster.
Planung allein reicht nicht. Wir brauchen Struktur, Verbindung.

Und manchmal einfach jemanden, der da ist. Nicht um uns zu kontrollieren, sondern um mit uns anzufangen.

In diesem Blogartikel, der ein Teil der Blogparade „Wie schaffst du es, Dinge durchzuziehen – auch wenn’s im Alltag stressig wird?“ ist, teile ich mit dir, wie ich es, an manchen Tagen schaffe, meinen Alltag zu entwirren und Aufgaben trotz innerem Chaos umzusetzen. Denn ein entscheidender Faktor dabei ist das Buddy Coaching in der ADHS Community! 

Eine Art stille Verabredung, die mein Leben verändert hat.

Was ist Buddy Coaching?

Buddy Coaching ist ein einfaches, aber unglaublich effektives Format: 

Zweimal täglich, um 10 Uhr und um 16 Uhr, treffen wir uns online über die ADHS Community in Senfcall (das ist so was Ähnliches wie Zoom).
Für zehn Minuten reden wir über das, was wir in den kommenden 50 Minuten machen möchten.
Das kann eine konkrete Aufgabe sein, ein grober Plan oder auch einfach das, was uns gerade beschäftigt.

Unsere Vorhaben schreiben wir zusätzlich in den Chat. Das wirkt wie ein kleiner Vertrag mit sich selbst.
Gleichzeitig ist es absolut okay, wenn man etwas ganz anderes macht. Auch Umwege sind willkommen.

Danach wird’s ruhig: 50 Minuten lang arbeiten wir jede:r für sich, mit ausgeschaltetem Mikro. Die Kamera darf an bleiben, muss aber nicht. Diese Stille ist kein Druck. Sie ist ein geschützter Raum.

Um 11 Uhr bzw. 17 Uhr kehren wir zurück. Dann kann jede:r erzählen, was er oder sie geschafft hat.
Oder eben auch nicht.

Warum funktioniert das (auch wenn sonst wenig funktioniert)?

Es klingt simpel. Aber was in dieser Stunde passiert, ist viel mehr als nur Aufgabenabarbeitung:

  • Verbindlichkeit ohne Zwang: Ich sage laut, was ich vorhabe. Das aktiviert etwas in mir. Es ist kein Muss, jedoch ein sanfter Reminder.
  • Struktur mit Flexibilität: Es gibt einen klaren Rahmen, aber keinen Druck. Ich kann alles machen. Oder nichts. Aber ich bin nicht allein.
  • Realistische Erwartungen: Niemand erwartet Produktivität am Limit. Es geht darum, anzufangen. Und wenn’s nicht klappt, ist das auch okay.
    Gemeinschaft: Alle in der Gruppe haben ADHS. Alle kennen das Drama im Kopf. Es braucht keine langen Erklärungen.

Was hat sich für mich dadurch verändert?

Ich war überrascht, wie viel ich in diesen 50 Minuten an manchen Tagen schaffe.
Manchmal sogar mehr als an einem ganzen Tag zusammen. 

Doch warum? 

Weil der Anfang gemacht ist. Weil ich nicht im eigenen Kopf verloren gehe.
Weil ich weiß: Die anderen sitzen gerade auch da. Mit ihren To-dos, ihren Hürden, ihren Gedanken.

Und wenn ich mal nichts geschafft habe? Dann sage ich das. Ohne Scham. Ohne schlechtes Gewissen. 

Die Reaktionen? Verständnis. Nicken. Ermutigung.

Dieses Miteinander ist mehr als eine Arbeitsstruktur. 

Es ist ein Ort des nicht-maskierten Menschseins. Ich muss nicht funktionieren, um dazuzugehören. Ich bin einfach da. 

Mit allem, was ich mitbringe.

Gemeinsam still sein kann laut viel bewirken

Buddy Coaching ist kein Wundermittel.
Aber es ist ein verdammt gutes Werkzeug.
Es bringt mich zurück in die Handlung, wenn mein Kopf mich aufhält.
Es bringt mich in Verbindung.
Mit anderen, mit mir, mit dem Moment.

Wenn du dich oft überfordert fühlst und nach einem sanften, unterstützenden Rahmen suchst: Probier es aus. 

Vielleicht brauchst du auch kein neues System, sondern nur ein paar Menschen, die still neben dir sitzen und dich mit ihrem Dasein daran erinnern:
Du bist nicht allein.


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6 Antworten zu „ADHS – Wenn der Alltag lauter ist als der eigene Antrieb”.

  1. […] ADHS – Medikamente: ✅ schaffen eine bessere neuronale Basis ✅ reduzieren Symptome wie Impulsivität, Ablenkbarkeit, Reizoffenheit ✅ helfen, Emotionen besser zu regulieren ✅ verbessern häufig den Zugang zu Alltag, Beziehungen und Beruf […]

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  2. […] habe Sätze verfasst über neurodivergente Strukturen, über Bedürfnisse von Eltern, Trauma – Denken, Gesellschaftsdruck. Ich habe meine Stimme […]

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  3. […] seit ihrer Kindheit bewusst. Und tragen genau diesen Eindruck oft über Jahre mit sich, still und Scham […]

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  4. […] Symptome, die bei Männern und Jungen auffallen. Stattdessen äußert sich ADHS bei ihnen oft durch innere Unruhe, Tagträumerei und emotionale Überforderung. Diese internalisierenden Symptome werden leicht […]

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  5. Vielen lieben Dank für deine wertschätzenden Worte.

    Der Unterschied macht mich selbst immer wieder sprachlos.

    Liebe Grüße
    Maria

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  6. Liebe Maria,
    wow – was für ein starker Beitrag! Du beschreibst so klar und greifbar, wie sich Überforderung anfühlt – und was für ein Unterschied es macht, wenn man nicht allein damit ist.

    Deine Beschreibung vom Buddy Coaching hat mir besonders gut gefallen. Diese Mischung aus Struktur, Verbindung und Akzeptanz wirkt total kraftvoll – und sehr alltagstauglich.

    Ich freu mich sehr, dass du mit diesem Beitrag bei der Blogparade dabei bist. Er bringt eine wertvolle Perspektive rein, die vielen Mut machen kann.

    Herzliche Grüße
    Astrid

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