So wie viele andere Frauen mit ADHS auch, habe auch ich lange gedacht, dass ich falsch bin.
Habe gelernt, meine echten Gefühle zu verstecken, mein wahres Selbst zu dämpfen, um dazuzugehören.
Aber Zugehörigkeit, die Anpassung verlangt, ist keine echte Verbindung.
Die Welt braucht nicht mehr „angepasste Frauen“!
Sie braucht mehr authentische, neurodivergente Stimmen.
Wozu dieser Artikel, welcher im Rahmen der Blogparade „Warum ich lange gedacht hab, dass ich falsch bin“ entstand, hoffentlich seinen Teil beiträgt.
Kindheit: Der erste Spiegel ist oft ein verzerrter
Ich war ein wildes, sensibles, kreatives Kind.
Habe viel geredet, alles hinterfragt, war laut, schnell überreizt und gleichzeitig voller Fantasie und Gefühl.
Aber die Rückmeldung war selten: „Wie schön, dass du so lebendig bist.“
Sondern:
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„Kannst du nicht mal still sein?“
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„Du redest zu viel!“
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„Jetzt reiß dich mal zusammen!“
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„Du musst nicht immer alles so persönlich nehmen!“
Was ich daraus gelernt habe:
So wie ich bin, bin ich zu anstrengend!
Ich habe begonnen, mich zu bremsen, zu filtern, anzupassen.
Wurde leiser, aber nicht friedlicher.
In mir wurde es unruhiger.
Und ich lernte schon früh, dass ich nur dann „gut“ bin, wenn ich weniger bin.
Jugend & frühes Erwachsenenalter: Die stille Selbstzensur
In der Schule war ich oft klug, aber chaotisch.
Interessiert, aber unorganisiert.
Ich hatte Freunde, aber war oft überfordert von Gruppendynamiken.
Ich hatte starke Gefühle, aber wusste nie, wohin damit.
War die, die viel Potenzial hatte, aber „es nicht nutzt“.
Die, die emotional überreagiert.
Die, die sich ständig schuldig fühlt, weil sie mal wieder „zu laut“, „zu direkt“, „zu impulsiv“ war.
Ich wusste nicht, dass all das einen Namen hat: ADHS. Neurodivergenz.
Ich wusste nur: Ich bin irgendwie immer falsch. Zu viel. Zu nah. Zu intensiv.
Das Funktionieren und das innere Zerreißen
Ich habe funktioniert. Ich habe Leistung gebracht, mich angepasst, gelächelt.
Aber innerlich habe ich oft gedacht:
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Warum kann ich nicht einfach normal sein?
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Warum fühle ich so viel?
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Warum bin ich so müde vom Alltag?
Ich habe mich selbst zensiert: Gefühle heruntergeschluckt, Gedanken zurückgehalten, Überforderung weggelächelt.
Ich wurde Expertin im Funktionieren.
Und verlor dabei Stück für Stück den Kontakt zu mir selbst.
Der Wendepunkt: Ich bin nicht falsch – ich bin anders verdrahtet
Als ich das erste Mal über ADHS bei Frauen gelesen habe, war das wie ein Schlag ins Gesicht bei gleichzeitiger Erlösung.
Ich habe mich in jeder Zeile wiedergefunden:
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Emotionale Intensität
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Reizoffenheit
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Schwierigkeiten mit Struktur
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Hyperfokus & Chaos
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Das ständige Gefühl, innerlich zu viel und gleichzeitig nicht genug zu sein
Es war, als hätte jemand mein Innerstes übersetzt, in eine Sprache, die nicht mehr beschämt, sondern erklärt!
Ich habe gelernt:
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Ich bin nicht zu emotional, ich bin emotional tief.
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Ich bin nicht sprunghaft, ich denke in Verbindungen.
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Ich bin nicht chaotisch, ich funktioniere anders.
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Ich bin nicht zu viel, ich bin vollständig.
Neu denken – neu fühlen – neu leben
Heute weiß ich: Ich bin neurodivergent. Und das ist nichts, was „geheilt“ werden muss.
Es ist eine andere Art, die Welt zu erleben; mit Herausforderungen, ja.
Aber auch mit Stärken:
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Kreativität
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Empathie
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Gerechtigkeitssinn
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Detailwahrnehmung
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Intuition
Ich bin nicht mehr bereit, mich kleinzumachen, nur damit andere sich nicht verunsichert fühlen.
Ich bin nicht mehr bereit, mich ständig zu entschuldigen für mein Dasein.
Ich will nicht nur „okay“ sein!
Ich will echt sein!
Was ich mir für andere Frauen da draußen wünsche:
Ich wünsche dir, die das liest und sich vielleicht in meinen Worten wiederfindet, dass du erkennst:
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Du bist nicht defekt.
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Du bist nicht überempfindlich.
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Du bist nicht zu laut, zu emotional, zu intensiv.
Du bist du.
Und du musst dich nicht dafür schämen, wie du fühlst, denkst oder bist.
Wenn du ADHS hast (oder es vermutest), dann kann das der Anfang sein.
Nicht vom „Normalwerden“ – sondern vom Zurückfinden zu dir selbst!






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